L’art pour l’art.

Ich höre eigentlich nie Jazz. Ich besitze eine einzige CD mit Jazzmusik. Kiss: Essential Late-Night Jazz. Man weiss ja nie. Ich hatte sie bisher nur ein einziges Mal ganz durchgehört. Das kam mir damals schon komisch vor. Jazz ist so ziemlich die einzige Richtung, die ich nicht höre. Das willkürliche Wirrwarr an Noten macht mich zu nervös. Ja, ich weiss, da steckt mehr dahinter als nur ein paar zufällige Noten zu spielen. Aber so ein Vorurteil ist schwer los zu werden. Um auf das Thema zurück zu kommen, auch wenn’s nicht wirklich eines ist, gebe ich sämtliche Schuld einem meiner zukünftigen Mitbewohner. Der studiert nicht nur Musikwissenschaft, sondern hört auch alle erdenkliche Art von Musik. Ausser Justin Timberlake und Michael Jackson, hat er mir versichert als ich vom Musikgeschmack meiner derzeitigen Mitbewohner erzählte. Aber das ist ja auch keine Musik. Sein liebstes Genre ist Jazz. Und genau darauf hat er mich nun gebracht. Das Chris McDonald Orchestra gefällt mir. Ich habe mich vorhin sogar dabei ertappt, wie ich im iTunes Store den Jazz Katalog durchstöbert habe. Aber nach einem Genre in iTunes zu suchen ist wie die Suche nach dem Heiligen Gral. Irgendwo gibt es das richtige Genre, aber man ist ständig auf der falschen Fährte. Da wird Piano Jazz kurzerhand als New Age kategorisiert und Easy Listening findet man unter Jazz.

Helft mir mal kurz. Hat einer von euch rausgefunden wo ich hinlaufe? In meinem Kopf herrscht das totale Chaos. Gestern und heute morgen waren verrückt genug. Vorgestern eigentlich auch, aber anders. Jedenfalls ist es mir des Guten mittlerweile etwas zu viel. Eine Flasche Goldstrike wäre jetzt toll. Aber wohl nicht das, was ich brauche. Künstler haben angeblich öfter ein Alkoholproblem. Kann ich jetzt persönlich nicht belegen, ich kenne da aber Beispiele aus dem Bekanntenkreis. Also solche, die alleine in ihrem Zimmer sitzen, ihrer Leber eine Flasche irgendwelchen Likörs gönnen und einen Text verfassen. Manchen geht’s einfach nur elend und irgendwie müssen die Gefühle raus. Bevor ich jetzt hier persönliche Geschichten von anderen erzähle, zurück zu meinem eigenen Problem: Ich weiss nicht weiter.

Die nächste Woche wird lang werden. Zwar habe ich keine Vorlesungen oder Seminare, aber dafür heisst es das Layout für ein Buch fertig gestalten, Essays und Kurzgeschichten schreiben und mich durch das Script von Brokeback Mountain arbeiten. Wo ich den Film herbekomme ohne einen Haufen Geld auszugeben, habe ich bisher noch nicht rausgefunden. Einer wird den Film ja wohl runterladen. Ihr seid verdammte Studenten, einer kauft sich die CD und die anderen kopieren sie sowieso. Hatte der Komiker letzten Dienstag gemeint. Ich habe sie nicht kopiert. Das liegt erst einmal an der simplen Tatsache, dass ich keinen kenne, der sich die CD gekauft hat, und zweitens, dass er nicht besonders witzig war.

Ich habe heute endlich eine Podcastfolge aufgenommen. Mehr noch, es wird demnächst einen neuen Podcast von meiner Wenigkeit geben. Alles noch streng geheim im Moment. Die Idee dazu kam mir nach dem dritten Kapitel von Failed Cities Monologues, als ich den Computer gerade ausgeschaltet hatte. Das nennt man Pech. Streng geheim. So eine Fernsehserie gab’s doch mal. Achtung, streng geheim! Oder Mission: Top Secret wie das Teil im Original hieß. Die Australier drehen tolle Kinderserien. Ich habe die Centauri Kids geliebt. Ich habe mir immer vorgestellt, ich würde selbst mal ein Centauri werden und bekäme eine PCU. Das Teil erscheint vom heutigen Standpunkt aus extrem klotzig. Aber damals gab es ja noch keine Palms. Doch, den Newton gab’s schon. Aber da war Apple seiner Zeit leider um viele Jahre voraus und die Welt noch nicht bereit für ein Handheld Gerät.

Von Jazz über Alkohol und (vor)gestern / heute morgen bis hin zu Apples Erfindungen. Glaubt ihr mir jetzt? Mein Kopf ist eine Müllhalde. Unter all dem Schrott gibt es bestimmt eine tolle Idee, aber bis ich die finde, habe ich alle Probleme der Welt gel??st. Oder gar nichts. Wohl eher letzteres.

Joël meinte, er würde sich in meinem Post von gestern nacht wiederfinden. Mir würde das Angst machen. Wenn ich den Text lese, wünsche ich mir, ich wäre jemand anders. Manchmal spüre ich einen unvorstellbaren Drang ‘normal’ zu sein. Die meiste Zeit aber bin ich mir selbst nicht verrückt genug. Wäre der 21. November nie passiert, wäre ich kein Künstler. Letztenendes bin ich aber froh, dass von allen Möglichkeiten sich diese Konsequenz aus dem katastrofalen Monat damals ergeben hat. Künstler? Selbstproklamierter Künstler. Wer gibt Leuten eigentlich den Titel eines Künstlers? Darf ich selbst wählen? Ich weiss nicht, ob ich einer bin. Chaotisch, melancholisch, tagträumerisch und manchmal total auf Logik und Rationailtät versessen. Das ist meine schizophrene Wenigkeit. Darf ich vorstellen, mein Name ist Wahnsinn und ich komme um die Obsession zu besiegen.

Ich muss wieder in eine Kunstgalerie. Das beruhigt mich immer. Ich glaube, die letzte Ausstellung war die über Hyperrealismus in Strasburg. Oder der Trip in die Neue Pinakothek in München. Die chronologische Reihenfolge ist mir entfallen. So oder so, es ist zu lange her. In Ponty gibt es ein Kunstzentrum. Da sollte ich mal hin. Den Mudam habe ich auch noch immer nicht gesehen. Nur auf Fotos. Sieht aber nicht nach einem Ort aus, an dem ich mich wohl fühlen würde. Die hunderten Köche haben wohl den Brei verdorben. Wie lange haben die an dem Museum gebaut?

Das erste Gedicht von der kleinen Prinzessin soll ich übrigens in einem Seminar vorlesen. Davon versucht mich derzeit jedenfalls einer meiner britischen Leser zu überzeugen. Ganz ohne Kommentar und im richtigen Leben. Mit Kompliment machen und so. Ich werde es trotzdem nicht tun. Die Hälfte der Metaphern könnte ich nicht erklären, ohne Hintergrundinfos zu geben. Wer will das schon?

Ich glaube, ich bin gerade im Flow. Da will ich jetzt nicht raus, aber Sinn ergibt dieser Text trotzdem noch immer keinen. Kryptisch sein. Das gefällt mir eigentlich. Joël wohl auch. Jetzt habe ich über mehrere Abschnitte hinweg von gestern und heute morgen geredet, und trotzdem kein Wort darüber verloren. In einem Jahr werde ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach wundern, was heute eigentlich mit mir los war. Can’t get it out of my head von John Paul White. Das war’s dann mit Jazz. Die Playlist ist zu Ende, es geht weiter mit… Was ist das eigentlich? Alternativ? Indie? Da fällt mir auf, es gab bereits seit sechs Wochen keine Playlist mehr hier. Dabei hat sich meine Sammlung wieder exponentiell vergrößert. Naja, exponentiell nicht. Dann würde meine Festplatte überlaufen. Im übertragenen Sinne. Aber das Wort klingt nach viel.

What if you had the answer to all the questions in the world, would you tell anyone? Wer will noch mal, wer hat noch nicht. Merry-go-round und ein Schluck Sambuca. Das Leben ist toll, ist eine Party, ist der Morgen danach, ist das erste Mal, ist das einzige Mal, ist am schönsten wenn man gehen muss. Ich stolpere durch ein Meer an Momenten und versuche soviele Sandkörner in meinem Sieb festzuhalten wie ich nur kann. Wer tippt so spät durch Nacht und Wind? Es ist ein Verrückter, armes Kind. Flow ist wie Alkohol, Dopamin, Adrenalin, Serotonin alles in einem Moment. Flow ist wie verliebt sein. Existenz um ihrer selbst willen ohne sich um das eigene Leben zu sorgen. Letzteres ist ein Widerspruch. Den werde ich jetzt aber nicht zu klären versuchen. Was zählt ist der Fluss der Gedanken. L’art pour l’art.

3 thoughts on “L’art pour l’art.”

  1. I don’t have your command of German (or French, or any language other than English, I suspect), but from what I do understand, The Failed Cities Monologues gave you an idea. I hope I got that right. I hope they have inspired you in some small way. I hope you’ve finished and enjoyed them all since the writing of this entry.

    In either case, thanks for the free publicity. Coming across these posts pleased me a great deal. It’s the first time I’ve seen the Failed Cities talked about in another language.

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