Kunst ist Tod.

Die Liebe ist wahrlich ein komisches Ding. Du kriegst es verdammt nochmal nicht kaputt, egal wie lange und hart du drauf haust. Ist das gut? Ist das schlecht? Wer weiss das schon, aber nervig ist es allemal. Denn die Liebe ist nicht beständig. Sie bleibt unzerstörbar, aber sie ändert sich. Love is not love which alters when it alteration finds. Schrieb Shakespeare einmal. Was für’n Quatsch. Das einzige was Liebe ausmacht: sie geht nicht weg. Nie. Und die Ewigkeit ist eine irrsinnig lange Zeit.

Blaue Blume wo bist du? Wenn du ewig leben könntest, wirklich ewig, würdest du? Tuck Everlasting ist ein schöner Film.

Der Sir – einer meiner zukünftigen Mitbewohner – hat mir vorgestern Sambuca angeboten. Mitten in der Nacht kam auf einmal eine Nachricht im MSN ob ich nicht Lust auf einen Schluck Sambuca hätte, er hätte noch was über und wenn ich wollte könnte ich rüberkommen und wir würden die Nacht Nacht sein lassen und uns um nichts sorgen. Hätte mein Genick mir nicht wieder höllische Qualen bereitet hätte ich zugesagt, aber nun ja. Mitbewohner. Ach ja, erwähnte ich bereits, dass wir endlich ein Haus in Cardiff gefunden habe? Das nur so am Rande. Tut auch nichts zur Sache hier. Sambuca. Merry-go-round und ein Schluck Sambuca. Blöde Verkrampfung. Ich will wieder in mein großes Bett. Nächstes Jahr in Cardiff werde ich ein Doppelbett haben. Man gönnt sich ja sonst nichts, so als Student.

Würdest du ewig leben wollen? Das Verlangen nach Ewigkeit. Überdauern durch Kunst. Was für ein Blödsinn. Das eigene Leben durch ein Kunstwerk zu überdauern ist die romantische Vorstellung derer die selbst kein Kunstwerk erschaffen können und Angst vor dem Tod haben. Nicht vor dem Vergessenwerden, sondern vor dem Tod. Denn auch Kunst kann den Tod des Künstlers nicht verhindern. Die breite Masse steht im Louvre vor der Mona Lisa und bewundert DaVinci dafür, dass er sein eigenes Leben überdauert hat. Aber wo ist er? Wer war er? Was war sein Lieblingsessen, wie hieß seine Jugendliebe, was brachte ihn zum Weinen, wovon träumte er? Keine dieser Fragen kann man mit seinen Kunstwerken beantworten. Sind seine anatomischen Zeichnungen, zweifelsohne Zeichen seines Genies, wirklich genug um sagen zu können er habe den Tod überdauert?

Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich will nur nicht da sein wenn er kommt. Woody Allen ist ein weiser Mann. Soviele Kunstwerke hat er erschaffen und doch weiss er, dass der Tod Tod bleibt, auch wenn man in hundert Jahren noch seine Filme sehen sollte. Manche Leute glauben, mit Kunst könnte man den Tod überbrücken. Dabei kann man nur das Vergessenwerden etwas verzögern. Aber irgendwann ist auch das Kunstwerk vergessen. Noch nicht mal eine Erinnerung bleibt am Ende. Unsere Zivilisation, unsere Spezies, geht unter, verschwindet. Und keinen kümmerts. Wen auch, ist ja dann keiner mehr da.

Die Kunst ist das Verlangen etwas Ewiges zu erschaffen, aber gleichzeitig das unendliche Gefühl zu haben, dass nichts ewig währt. Wir Menschen sind nicht dazu da um ewig zu leben. Schnelles Sterben ist ein Vorteil der Evolution. Eine Spezies passt sich schneller an wenn sie früh stirbt. Wir sind nur ein schlechter Entwurf des nächsten Sprungs in der Evolution. Wir sind dazu da um Fehler zu machen, damit die Natur daraus lernen kann und eine bessere Version erschaffen kann. Oder sich der Menschheit ganz entledigt. Darauf läufts wohl hinaus. Das war dann aber unser eigenes Verschulden. Wir hatten nur einen Planeten, und den haben wir mit allem kaputt geschlagen das wir finden konnten. Und damit uns zwischendurch nicht langweilig wurde, haben wir uns von Zeit zu Zeit auch immer mal wieder gegenseitig abgeschlachtet. Man gönnt sich ja sonst nichts, als Mensch.

Die Stille um mich wirft mich aus dem Rythmus. Der Takt. Ihr Herzschlag diktiert den Takt. Ist der Takt. Geigen übertönen Trompeten und versinken unter dem Flügel. Sie leitet meine Hände über die Tasten in die Musik des Lebens. Ihre Noten. Eine Note, ausgehalten. Ich stimme meine Gefühle.

Wir sind klein. Unbedeutened. Und halten uns für die Größten. Womöglich ist das der Grund für unser Unglück. Wir streben nach dem Unendlichen, der Ewigkeit, und wollen nicht einsehen, dass wir das nie erreichen werden. Stattdessen erschaffen wir uns fiktive Konstrukte. Kunst. Die alles überdauern soll. Die Leidtragenden sind die Künstler.

Merry-go-round. Ein Schluck Sambuca. Was hat das für einen Sinn? Ein ewiger Kreis in dem nichts ewig ist und doch alles bleibt. Meine Atome zerfallen und werden etwas neues. Ich bin weg. Ich bin noch immer da. Die Evolution hat uns die Kunst gegeben. Aber die Kunst wird niemanden retten. Und doch halten viele an ihr fest. Die Masse weil sie davon träumt unsterblich zu sein. Die Künstler einfach nur weil es das einzige ist das sie haben. Was bleibt ist die Liebe. Und noch nicht einmal die überlebt alles. Eine Ewigkeit gibt es nicht. Das würde verlangen, dass es schon immer Zeit gab, und es sie immer geben wird. Das ist aber nicht der Fall. Es gab sie nicht immer, gibt sie heute nicht überall und wird es wahrscheinlich irgendwann auch gar nicht mehr geben. Wir leben in einer elfdimensionalen Raumzeit im Quantenschaum. Na und? Enden wird das alles trotzdem. Und wenn die Zeit endet, werden wir nie gewesen sein. Denn die Vergangenheit gibt es dann auch nicht mehr. Und die Ewigkeit löst sich in Luft auf.

Die Kunst ist auch ein Tod. Nur verzögert. Der Künstler gewinnt keinen Tag Leben damit, denn er wird längst nicht mehr da sein wenn sein Kunstwerk vergessen wird. Aber er erschafft trotzdem. Denn nicht zu schaffen wäre sein verfrühter Tod.

6 thoughts on “Kunst ist Tod.”

  1. Thierry “on the road again”, wéi wann nie eppes gewierscht wier. An daat ass de Beweis. Sou Diskusiounen sin NET schlemm, mee absolut gesond. Am beschten all zwou Deeg eng kleng. ;)

    Ech spieren meng Feis graad net an se sin net angeschloof. Et ass en extrem interessant Gefill, daat duerch Liesen vun engem Text ze spieren, woufir een normalerweis Drogen oder eng Kriegsverletzung brauch.
    Ech denken ech geif den “Challenge” vun der Eiwegkeet unhuelen, mengen ech. Och wann daat wahrscheinlech daat allerschlemmst Schicksal wier an ech dann geif mierken daat den Doud eng gudd Instanz ass.

    Schreiwen ech, well ech onstirwelech well gin? Ech schreiwen, well ech muss, well ech net anescht kann, well do Saachen sin, déi ech an déi Tastatur hummeren muss, well ech anescht d’Gefill hun ze plaatzen an no enger gewesser Zait wahrscheinlech wirklech geif platzen. Mee vlaischt ass och irgendwou de Wellen do, fir onstirwelech ze gin.
    Beim Da Vinci hun ech geduercht: Do hu mir et jo besser, mir hun eis Bloggen wou dran steht waat mir gären iessen an waat fir eng Schongreisst mir hun. ;-)

  2. Kunst ist Tod?
    Die Kunst ist auch Lebensbewältigung.

    Die wahren Künstler sind die Kinder.
    Doch zu viele Erwachsene nehmen das nicht wahr.

    Kinder leben den Augenblick.
    Erwachsene leben oft in der Vergangenheit oder in der Zukunft.

    Die Kunst kann verbinden:
    Zeiten, Menschen, Kulturen.

    Kunst kann missbraucht werden.
    Aber nur von Erwachsenen.

  3. Kunst ist Tod, weil die Romantisierung der Kunst von der breiten Masse nicht stimmt. Es gibt keinen Künstler in seinem Atelier, der ein Kunstwerk nach dem anderen erschafft, wie manche sich das vorstellen. Auch Kunst ist harte Arbeit, und auch sie garantiert kein ewiges Leben. Das erkennt die breite Masse aber nicht. Kunst ist Tod, weil der Künstler sterben wird, auch mit Kunstwerk. Kunst ist Lebensbewältigung, denn ein nichtschaffender Künstler ist so gut wie tot.

    Auf die Kinder und die Verbindung zwischen Kulturen bin ich bewusst nicht eingegangen, weil es mir hier nur um die Romantisierung der Kunst ging. Die Sicht der Künstler auf die Kunst versus die Sicht der Nicht-Künstler auf die Kunst. :)

  4. Wahnsinn, der hat das Ganze ziemlich schlau verpackt. Da werde ich mir wohl eine Scheibe von abschneiden. :D

  5. Pingback: sad autumn

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