Zwischen Ende und Anfang. We fall down and we cry holy, holy, holy is the lamb.

So fühlt es sich also an. Don’t release me. In meinem Kopf schwirren tausende Gedanken hin und her, keiner lässt sich fassen. Ich schwebe zwischen Selbstzerstörung und Neugeburt. Dieser Moment in dem das Alte noch nicht ganz vorbei ist, aber das Neue auch noch nicht wirklich begonnen hat. Die Natur hat das schlau eingefädelt. Auch wenn ich nicht verstehe wieso überhaupt erst.

Im Hintergrund spielt gerade das philharmonische Orchester Montpellier. Die Leute pfeifen. Das hört sich absurd an, denn bei einem klassischen Konzert pfeift man nicht. Aber es ist ja nicht wirklich klassisch. Epischer Techno. Jeff Mills betritt die Bühne. Ich freue mich auf die Nature One. Da wird es zwar kein Orchester geben, aber er wird dort auflegen. Da ist es mir auch schnuppe ob mit Orchester oder ohne. Und ich habe ja die CD. Another summer day has come and gone away in Paris and Rome. Das ist nicht von Mills. Sage ich ja. Cum hoc ergo propter hoc. Quod erat demonstrandum.

When we got to Boston. Da würde ich jetzt auch gerne hin. Einfach nur weg. Was für eine schlechte Lüge. Ich will nicht weg. Aber während ich mir einrede ich würde wegwollen sind die anderen Gedanken etwas stiller. Ich habe den Moment seit langem gefürchtet. Der Anfang vom Ende. You may think you lost it, don’t even wonder anymore, erase your mind, turn round and slowly walk away, slam the door. Im Leben kriegt man fast nie was man will. Vielleicht aber was man braucht. Aber einen großen Plan gibt es auch nicht. Wie könnten auch tausende Kinder die jeden Tag elend wie Tiere krepieren Teil eines großen Plans sein. Gibt es Gott überhaupt? Manchmal glaube ich der sitzt bloß da und genießt die Entwicklung der Menschheit wie einen Kinofilm. Mit einem großen Eimer Popcorn, weil der Film so mies ist und Popcorn den Film nicht wirklich schlechter machen kann. Und das Ende kennt der Kerl ja sowieso denn er hat den Film selbst gedreht. Ich wette die halbe Zeit schläft er. Ohne großen Plan kriegt man nie das, was man braucht. Was braucht man wenn man nur ist, einfach so, ohne jegliche Bestimmung? Cogito ergo sum. Aber warum bin ich? Darauf hatte der Idiot auch keine Antwort. Nicht, als ob seine Ich-denke-also-bin-ich Theorie nicht auch schon einen massiven logischen Fehler hätte. Aber das ist kein Philosophieunterricht und wahrscheinlich weiss sowieso jeder warum seine Argumentation nicht aufgeht. When everything’s made to be broken I just want you to know who I am.

Was ist denn schon Perfektion? Wäre sie nicht der Ursprung jeden Wahnsinns wäre sie in ihrer Naivität sogar irgendwie schön. Kann Perfektion denn naiv sein? Das hängt wohl davon ab, ob man Naivität als positiv ansieht. Einen wirklichen Sinn ergibt das hier nicht, nein. Die Menschheit ist sowieso nicht bereit dazu. Denn man dreht durch. Man hänkt in einem ekelhaften Zustand zwischen wahnsinniger Panik und unglaublichem Glücksgefühl. Am Ende siegt die Trauer, weil man weiß, dass es einmalig war und man sie nie wieder erreichen wird. And I don’t want the world to see me cause I don’t think that they’d understand.

Manchmal weiss man erst wie sehr man jemanden vermisst hat wenn man die Person wiedersieht. Womöglich trauere ich mehr dem nach was nie erlebt wurde und es ist kein richtiges Vermissen. Aber wen kümmert’s. Das Gefühl ist sehr ähnlich und langsam blicke ich in diesem Wirrwarr nicht mehr durch. Da ist zuviel. Zuviel in dieser gähnenden Leere. Und eigentlich haben wir doch viel erlebt in diesen vier Jahren. Und eigentlich habe ich doch immer wieder an sie gedacht als sie nicht da war. Das nennt man doch Vermissen, oder? Damit ist dieses Argument wohl auch futsch. You had me from hello. Was solls.

Ich stehe vor dieser riesigen Klippe und da ist nur Nebel und ich weiss nicht wohin. Sagt sie weinend und sinkt zu Boden. Ich kenne das Gefühl. Wer kennt es nicht? Ich stehe am Anfang des Lebens und mache mir Sorgen um das was kommen wird. Kann man mir vorwerfen, dass ich die Zukunft fürchte? Man wächst mit jedem Tag. Angst gibt es immer. Weshalb sehen die älteren Generationen manchmal auf uns herab und sagen uns wir sollen aufhören uns jetzt schon Sorgen zu machen? Haben wir etwa kein Recht ahnungslos zu sein was aus uns werden wird und uns deshalb zu fürchten? Hattet ihr etwa keine Angst vor der Zukunft als ihr jung wart? If it’s a question of time, I’ll wait, always. If there’s a reason, I’ll wait, always.

Am Freitag werde ich meine Koffer packen, den Schlüssel abgeben und mein Zimmer für immer hinter mir lassen. Ein großer Teil von mir freut sich. Endlich bin ich diese Idioten los, endlich kein Lärm mehr morgens um 5 Uhr, endlich keine verdreckte Küche mehr und nie wieder den Reflex unterdrücken den Mitbewohner zu grüßen wenn man ihm mal zufälligerweise auf dem Campus begegnet. Ab Freitag kenne ich sie offiziell nicht mehr. Ich weiss ja jetzt schon teilweise nicht mehr wie die aussehen. So sehr habe ich noch nie mit einem Teil meines Lebens abgeschlossen. Ein kleiner Teil von mir bereut es. Ich habe immerhin jetzt über ein halbes Jahr in diesem Zimmer gelebt. Und dieses Apartmenthaus hatte was klischeehaftes; das süße Mädchen von untenan, der hirnlose Typ von nebenan und die Schlampe von obenan. Der Stoff aus dem schlechte Filme gemacht sind und wohl auch noch oft werden. Und ich habe Freunde gefunden die jetzt schon ihren Abschluss machen und die ich nie wieder sehen werde. Magic stays where myth remains.

Ich bin dann mal weg. So oder so ähnlich werden meine letzten Worte wohl sein. Wenn ich überhaupt was sagen werde. Weil es mir im großen Ganzen nicht vorkommt, als ob es wichtig wäre, dass ich dann nicht mehr da bin. Meinen Mitbewohnern wird es vollkommen egal sein und mich wird’s auch nicht großartig stören nicht mehr jede verdammte Nacht aufgeweckt zu werden weil sie Lärm machen und jeden Morgen weil die Putzfrau sich weigert soviel Schmutz zu putzen. Würde ich auch. Bei dem Dreck würde selbst ein Sklave revoltieren. Ich bin dann mal weg. Das ist doch auch der Titel eines Bestsellers. Hape Kerkeling ging pilgern und schrieb das auf. 630 km wären mir zu weit, aber wandern würde ich schon mal gerne gehen. Wandern. Nicht pilgern. Ich liebe einsame Spaziergänge. Man kann die Gedanken fließen lassen, wird nicht vom Fernsehen, Computer oder Freunden abgelenkt und kann einfach nur alle Sinneseindrücke auf sich einwirken lassen. I hear in my mind all of this music and it breaks my heart.

Ladies and gentlemen we are floating in space. Ich stehe an der Kasse vom Supermarkt und plötzlich wird mir klar: das ist nicht nur nicht mehr meine Welt, es ist auch nicht mehr die Ihrige. Ich Idiot. Keep on running. Nimm dein Leben in die Hand. Sonst wirst du nie wissen, ob’s doch für was gut war. Vielleicht gibt’s ja einen kleineren Plan. Ich muss Kerkelings Buch lesen.

How did it happen? Someday you might need a friend. Man glaubt immer es würde besser, aber das wird es nicht; es wird bloß anders. Behauptete mein Deutschlehrer mal. Er hatte Recht. Irgendwie bleibt am Ende doch immer alles gleich. Mein Herz ist so leer und mein Kopf so voll. Hau noch mal drauf. Vielleicht kriegst du sie diesmal kaputt. Als ob der Versuch mehr als bloße Energieverschwendung wäre. Wise men say only fools rush in. Ich habe noch keine Strategie. Ich weiss noch nicht einmal an welcher Seite. Aber ich werde kämpfen. Cause I ain’t wasting no more time what it might have been.

So fühlt es sich also an.

4 thoughts on “Zwischen Ende und Anfang. We fall down and we cry holy, holy, holy is the lamb.”

  1. kommentar vielleicht irgendwann mal, erstmal : schöner text trauriger text wahrer text

  2. Godspeed! möchte man dir zurufen, aber gleichzeitig steht man selbst am Steg und fragt sich “Wann fährt das nächste Schiff, und wohin nochmal geht seine Reise?”

    Aufbruchstimmung erlebe ich auch in regelmässigen Abständen, ohne genau zu wissen, wohin und warum ich aufbreche. Ich mag es sehr, darüber zu lesen. Deshalb: Mehr! Mehr! Aber du schreibst dies, und das kann ich mehr als nur nachvollziehen, für dich selbst, wahrscheinlich weil du es “loswerden” willst.
    Dennoch: Mehr davon. Schön melancholisch, und das liebe ich.

  3. Am Unfank wollt ech den Text net liesen, well en mir alt rem ze laang war, ech hun texter wei One vermesst, an dunn hun ech daat Wuert Montpellier gelies. Eng stad wou ech nemmen 4 Deech vun mengem liewen verbruecht hun, mee mech awer verbonnen fillen. Dei nächst woch wert ech rem do sin, well ech ganz an der geigend Wakanz man. Blue Potential (jo genau dei CD vum Orcheste National de Montpellier mam Jeff Mills ennert dem Pont du Gard) hun ech och zu Montpellier kaaf.

    Wourober ech eigentlech erauswell ass dass wei ech daat gelies hun hass du mech, an ech haat seit laangem rem d’ Gefill mech mat Texter vun dir indentifizeiren ze kennen.

    All I want to say is thank you!

  4. @ Serge
    Danke. Freue mich auf den Kommentar. :)

    @ Fireball
    Ich glaube das Problem ist, dass ich mir nicht sicher bin ob es Aufbruchsstimmung ist. Ich will nicht weg, aber paradoxerweise egal wo ich bin. Ich glaube ich wollte zuhause nicht weg weil ich wusste ich würde nur ein paar Tage zurückkommen, Examen schreiben und die Koffer packen. Das würde erklären warum ich jetzt nicht weg will. Aber irgendwie will ich dann auch wieder weg von hier, ich habe diese Menschen hier sowas von satt. Aber da gibt’s ja auch noch andere Personen neben meinen Mitbewohnern (insbesondere ‘ne Muse). Ich glaube ich habe einfach Angst davor, dass etwas zu Ende geht und selbst wenn ich mich über das Neue freue, irgendwie ist’s doch komisch.
    Danke jedenfalls. :) Und wenn ich meine aktuelle Stimmungslage so betrachte, wird’s wohl noch den ein oder anderen melancholischen Text geben. :)

    @ Gilles
    Ech setzen un enger neier méi kuerzer Geschicht vun der Längt vu One ongeféier. Ähnlech Thematik och, just aner Personnagen, well One fir mech no deenen dräi Deeler ofgeschloss ass. (Bis et “vun Ufank un als Tetralogie geplangt war”, oder sou. Hehe ;))
    Blue Potential leeft iergendwéi derzäit an enger Dauerschläif bei mir. :D

    Merci, freet mech dass den Text der gefall huet. :) An, gär geschidd. :D

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