Über das was nie war und immer sein wird.

Ob ich das Bild schon gesehen habe, das du gemalt hast, fragst du und zeigt es ganz stolz. Diese Welt, irgendwie bekannt und doch exotisch, dauert nur wenige Momente. Ein kurzer Blick in sie hinein, und schon ist sie wieder weg. Ich bin Picard im Nexus der gehen muss als er erkennt, dass der innere Frieden nur eine Illusion ist.

Das grüne Licht am Ende des Stegs ist aus. Das kommt nur alle paar Monate vor. Aber es ist traurig. Die Abwesenheit des Lichts und schwarze Fenster. Gefällte Bäume, neue Häuser und die alte Welt. Was tust du eigentlich? Mysteriös, erschreckend schön, unerreichbar. Die blaue Blume und Perfektion. Die definitive Überflüssigkeit des ewigen Lebens. Merry-go-round und ein Schluck Sambuca.

Wir sitzen nebeneinander. Haben die Arme aneinander gelegt. Sind still, denn Worte verstehen nicht. Die letzte Nähe zerfrisst. Mit jeder Sekunde zerfallen meine Zellen weiter. Tickt die Uhr etwas lauter. Hier bin ich also und weiss, die Frage wird ewig bleiben. Wir sitzen still, aber bewegen uns mit rasantem Tempo auf das Ende zu. Danke für die Zeit, die nie war und doch irgendwie immer sein wird. Du hast mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Du hast nichts getan.

Das Universum ist eine Moebiusschleife. Es ist alles einseitig. Es täuscht die Tiefe nur vor. Es gibt keinen Anfang, es gibt kein Ende. Alles ist bloß nur. Ein sich ewig ändernder Zustand, der am Ende doch immer gleich bleibt. Wir sind die Nanobots des Weltalls. Klein, unbedeutend, aber wir halten uns für groß, weil wir Mikronen verändern. Wir messen einem Glas Alete Bedeutung zu. Wir freuen uns über eine grüne Wiese. Wir lächeln über eine Mütze. Wir weinen um einen alten Discman. Ein Nokia 3210, ein Liter Vodka und eine alte Freundin die uns nicht wiedererkennt und doch aufmuntert. Ich habe sie gesehen. Danke für die schlechte Nachricht.

Wo ist denn der Sinn? Das grüne Licht verliert an Bedeutung. Nur noch wenige Momente und es ist bedeutungslos. Leer. So leer wie der Platz der noch naiv hoffnungsvoll für zukünftige gemeinsame Erinnerungen freigehalten wurde. Rot, blau, schwarz, silber. Es sind auf einmal nur noch Farben. Clean plötzlich nur noch ein Film. Ein einsamer Spaziergang jetzt nur mehr verlassen.

Es gab keinen großen Paukenschlag zum Ende. Es gab noch nicht mal ein Gewitter. Oder wenigstens etwas Regen. Die Sonne schien und die Wolken waren weiss, nicht grau. Wir treffen uns in zehn Minuten in der Stadt, ich gehe noch bei meinem Vater vorbei. So werde ich dich in Erinnerung behalten, dachte ich damals. Ein mentales Foto. Es war das Letzte.

Eine gemeinsame Freundin nannte dich mal “komisch”. Du hast nie mehr mit ihr geredet. Dann hat sie mir die Freundschaft gekündigt. Und ich habe dafür gesorgt, dass sie alle ihre Freunde verliert. Ich laufe durch dieses riesige Gebäude, bleibe an jeder Tür stehen, suche überall. Nichts. Ich erinnere mich noch an das erste Mal als ich dich sah. Ich erinnere mich an das letzte Mal. Und all die Male dazwischen. Ich wünschte ich hätte dich nie gesehen. Das ist eine Lüge.

Du bist unglaublich süß wenn du schläfst. Damals war dieser Satz voller Bedeutung. Allmählich wurde er zu einem Klischee. Wir versinken in der Banalität. Die Welt ist so klein, warum ist unsere so groß? Ich werde Rockstar und ziehe durch Stripclubs. Vielleicht begegnen wir uns ja mal beim Drogen kaufen. Irgendwann in ein paar Jahren, irgendwo in einer fremden Stadt, wenn wir nicht mehr wissen, dass unsere Welt einmal groß war. Denn es wird unsere Welt gar nicht mehr geben. Wir werden uns nie begegnen.

Die Zeit zurückdrehen und etwas ändern würde bedeuten womöglich manche Freundschaften verlieren. Würde ich etwas ändern? Ja, alles. Denn ich habe zu spät gemerkt: es wäre das Risiko immer wert gewesen. Aber eine Entschuldigung machte nie Sinn. Und vergangene Zeiten kehren erst mit dem nächsten Zeitalter wieder. Doch wir werden die gleichen Fehler machen, denn wir haben sie immer gemacht. Es gibt kein Ausbrechen aus der kosmischen Wiederholung.

Ich weiss noch nicht, ob ich vergessen will. Es ist angsteinflössend nicht zu wissen, was nach der Leere kommt. Die Leere ist doch alles was noch übriggeblieben ist. Ich danke dir, dass du so wunderbar bist. Geh, mache die Welt zu einem besseren Ort. Sie braucht jemanden wie dich so dringend. Dich, die Architektin des goldenen Zeitalters.

Leben heisst die Hoffnung verlieren, denn es ist nur das sinnlose Festhalten eines weinenden Kindes an nicht vorhandener Unschuld.

7 thoughts on “Über das was nie war und immer sein wird.”

  1. jetzt bitte noch die sonne hat gescheint in die sonne schien umwandeln (luxemburgismus ?) und dann hast du einen vorzeigetext für dein manifest, sehr sehr überzeugend stilistisch und inhaltlich, ich würd ja gerne sagen mehr aber so reicht eigentlich auch schon um sich in gedanken zu verlieren.

  2. :P und nochmal, so: lass ruhig stehen, ich hatte mich kontextuell verlesen und war noch in einem anderen Zeitenmodus. *seufz die sonne hat gescheint ist durchaus richtig, t’schuldigung.

  3. Onheemlech, hu grad dee richtege Soundtrack bei deem Text gelauschtert: The Dance of Eternity vun Dream Theater … an elo gett et Zäit fir deen Ticket ze kafen!

  4. Boah. En Freedefeier vun Biller an mengem Kapp. Ech woen et baal net méi, Musek unzemaachen, déi mech keint an irgendeng Stemmung versetzen, well se vlaischt falsch wier. Weider, méi! ass jo daat, waat ech emmer ruffen, mee des Keier hun ech Angscht virdrun. An dach, et ass genau d’Konfrontatioun mat denen dooten Gedanken, déi eis weiderbrengt. Merci!

  5. Merci alleguer. :) Freet mech dass et gefällt. :)

    Wann eis sou eppes weiderbréngt… Sou sécher sin ech mer do nach net. :)

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