Skizze eines Traumes oder etwas ähnlichem

Fünfzig Grad und Schnee – ich drücke sie gegen die Wand und küsse sie, denn plötzlich merke ich: sie ist schön.
       Wir sind doch alle nur Sterne, sehen von oben herab auf eine Welt die uns fremd ist und können uns nicht bewegen. Weiter, immer weiter treiben wir auseinander, scheinen etwas weniger hell und sehnen uns zurück zum Anfang als noch alles war.

Ich liebe dich. Solch banale Worte, sag sie mit Vorsicht, denn mit jedem Male werden sie normaler. Normal…! Es ist das einzig aussergewöhnlich Schöne was uns noch bleibt in diesem Jahrhundert des Glases. Der Konformität. Sie dürfen nicht normal werden. Aber gleich sein ist das Ziel. Es bleibt nichts zu verbergen in einer transparenten Welt. Nichts außer der Liebe. Denn ich behalte sie für mich. Genieße sie alleine, heimlich. Lasse mir dieses Gefühl nicht nehmen. Halte wie ein Besessener daran fest – selbst leere Liebe ist immer noch Liebe.

Ich möchte noch einen Sonnenaufgang mit ihr sehen. Noch ein Eis mit ihr teilen. Mich noch einmal freuen wenn sie mich umarmt. Sie noch einmal meinen Namen sagen hören. Aber ohne die Liebe mit ihr zu teilen. Es ist nur noch so wenig übrig. Wenn ich ihr etwas abgebe werde ich einsam sein. Sie wird sie nehmen und wieder verschwinden. Ich werde endgültig in mir zusammenfallen, reglos, ein schwarzes Loch selbst zu schwach um die Welt in sich zu saugen. Die Zeit wird nie begonnen haben in jener Welt.
       Wir versuchen uns die Welt in zehn Jahren vorzustellen, wissen noch nicht mal ob wir morgen aufwachen werden. Einen Moment weniger mit jedem Sandkorn der nach unten fällt. Ein wenig Lebensenergie verloren mit jedem Blick auf die Welt. Manche Menschen leben, die meisten werden bloß älter.
       Wir träumen von Ewigkeit während wir uns mit Sambuca den Schmerz wegtrinken. Damit wir schlafen. Durchschlafen. Immer tiefer, immer länger. Am Tag sogar mit offenen Augen – es ist einfacher. Schlaf als post-moderne Droge. Nimm jetzt die blaue Pille und schlaf dich tot. Träume davon wie es draußen aussieht aber rede dir ein, dass es nicht wirklich so schön ist. Der hoffnungslose Traum als Kontrollmaßnahme der Industrie. Präfabrizierte Träume aus Hollywood. Schließe die Augen und lass uns dir sagen, was deine Fantasien sind.

Ich spüre wie ihre Lippen sich zu einem Lächeln formen. Für einen Moment lassen wir los von allem, die Zeit wird nie enden in dieser Welt. Wir geben unser Selbst auf. Vergessen das Nachdenken über die Liebe. Coitamus, ergo sumus. Stehen in der Ecke und kauern uns fest aneinander. Ich sehe ihre Narben nicht mehr, fühle sie nicht mehr unter meinen Fingern. Nennt man so also Liebe in der Sprache des Herzens?

Hier stehen nun wir mit aufgegebenen Träumen und ohne Antworten. Wir sind frei.

2 thoughts on “Skizze eines Traumes oder etwas ähnlichem”

  1. Därf en einfach soen, daat en eppes genial fennt, obwuehl en wees, daat eigentlech vill vill méi misst gesoot gin?
    Irgendwéi hun ech bessi Gefill, mir hätten do Iwerschneidungen am “Stil”, als Beispill “Schlaf als post-moderne Droge.” Also sou déi kuerz Sätz mat “als”. Kann awer och sin, daat ech mir daat lo anbilden an et daat deck oft ged an et mir just nach net obgefall ass.

    Interessant de Gedanken, daat en just nach schleift, d’Welt net méi matkritt, net méi “liewt”, mee just nach méi aal ged..am Schlof souzesoen. An dann dreemt en net mol méi eppes eegenes, mee kritt eppes gedreemt. Do drängt sech d’Bild vun der bloer Pell jo richteg op!

    An beim läschten Satz kreien ech erem quasi-epesch Biller an de Kapp.
    Därf en lo soen “Méi! Méi! Méi!” ;-)

  2. Hehe kloër dierf een. :))

    Ass méiglech, kann ech awer weder bestätegen nach widderleen, well hunn nach ni doropper opgepasst. Muss ech vun elo uns mol méi genee kucken. :D

    Merci. :)

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