Would you walk away (2)

Isn’t time the strangest of all dimensions? You cannot feel it, not see it, not hear it, not taste it and not smell it. It can be slowed down and sped up but not stopped. It doesn’t exist everywhere in the universe and nobody knows if that’s always been the case. The term always illustrates how we are bound to describe the absence of time with… time.

The perfect moment vanishes the instant you wish it would never end because that wish already anticipates the future. Time is its own nemesis.

The feeling of being in love lasts thirty-six months on average at an outside estimate. Some people may however experience it for up to seven years before the brain stops that distinct biochemical process. Most marriages nowadays don’t last that long.

Maybe we shouldn’t give time that much credit in our everyday lives for things that went well or wrong. It’s far from perfect and hardly the constant we hold it to be.

This life is the only one I’ll ever get and today’s the sole chance I have.

I love you – and even if you walk away, I want you to know.

Die Generation der Hoffnungslosen (3)

Am Ende der Welt gibt es keine Kinder. Den ersten Teil gibt es hier, den zweiten hier.

Tag 817
Ich sitze jetzt schon den ganzen Tag hier am Schrottplatz an dem wir vor einigen Tagen vorbeigelaufen sind, in der Hoffnung sie würde womöglich hierher zurückkehren. Sie war bestimmt schon hier und ich habe sie verpasst.
Es gab eine Zeit da sah man überall Plakate der neusten Wagen. Familienautos, Jeeps, Cabrios, Sportwagen… Die Plakate sind übersprüht mit Graffiti die das Ende der Welt ankündigen, die Ölplattformen wurden in die Luft gejagt, die Fabriken abgefackelt, die Tanks der Tankstellen sind leer. Dabei würde man Autos jetzt mehr denn je brauchen. Die Dinge wären um sovieles einfacher. Immer noch schwierig und unmenschlich, aber ein Stück weit besser. Man müsste nicht von Stadt zu Stadt streunen sondern könnte dorthin fahren. Man würde weniger Kraft brauchen die man sowieso nicht hat. Man wäre weniger müde. Denn der Schlaf ist gefährlich; man kann sich nicht wehren wenn man im Schlaf eine über die Rübe bekommt und einem wortwörtlich das letzte Hemd geklaut wird.

Tag 818
Ich habe das Gefühl in letzter Zeit mehr denn je zu schreiben. Gerade eben als ich aus dem Wagen gestiegen bin in dem ich letzte Nacht schlief sah ich einen Flyer auf dem Boden liegen. Ich weiss nicht von wo er kommt denn die Adresse ist unleserlich geworden im Matsch, aber es ist ein großes Bild von Mitterand und seine letzten berühmten Sätze bevor er bei der Bombardierung von Paris ums Leben kam.
Notre génération, qui connut la Gestapo, les camps de déportation, la Milice, avait un instant compris que le léger vernis de la civilisation occidentale était à la merci d’un choc. Hitler avait donné ce choc et tout avait craqué. Mais Hitler mort, chacun s’était remis à vivre comme si rien ne s’était passé. La torture, pensait-on, était un produit allemand, ou plutôt un produit nazi. Puis, il y eut le XXe congrès du parti communiste russe, et ses révélations sur les crimes de Staline. Puis, il y eut Gorbatchev et on pensait que, finalement, le monde s’améliorait. Hélas, des terroristes ont tué Gorbatchev et lancé une attaque contre les États-Unis et le monde entier. Mes chers concitoyens, on est au milieu d’une troisième guerre mondiale, et je crains fort que ce pourrait bien être la dernière guerre de l’humanité.
Ich verstehe nicht alles was da steht, aber von Julia habe ich einige französische Wörter gelernt. Ich glaube er spricht über die Hoffnung die die Welt nach dem Tode Hitlers hatte und wie dann trotzdem alles den Bach runterging. Die Russen haben die Vereinigten Staaten angegriffen? Hat Bush denn nicht die erste Atombombe geworfen, “präventiv”? Bei all der Propaganda hatte ich aber nie wirklich den Durchblick was jetzt wahr und was nur erstunken und erlogen war. Vielleicht sind sogar mehr als nur vier Atombomben abgeworfen worden. Dann wäre es eigentlich sinnlos hier noch umherzustreunen denn dann wird der nukleare Winter früher oder später auch hier in Westeuropa ankommen. Das wird er wohl sowieso.
Warum Mitterands Zitat nun aber auf einem Flyer steht verstehe ich nicht. Womöglich ist es bloß ein Aufruf an diejenigen die sich verstecken um nicht eingezogen zu werden sich für ihr Land einzusetzen. Aber lesbar ist der Text unglücklicherweise nicht mehr.
Immerhin weiss ich jetzt ziemlich sicher, dass ich in Paris bin. Oder wenigstens Frankreich.

Tag 819
Paris. Die Stadt der Liebe. Tolles Klischee wenn man durch Ruinen spaziert und der Magen lauter knurrt als ein aggressiver Hund. Die Stadt der Liebe. Und ich habe Julia noch immer nicht wiedergefunden.

Tag 827
Ich kehre jetzt jeden Tag für mehrere Stunden zum Schrottplatz zurück. In einem Büro war noch Essen in einem Schrank, vollgepumpt mit Konservierungsstoffen. Da stehen Dinge die halten sich angeblich noch drei Jahre. Dass ich mich mal so über Chemikalien freuen würde hätte ich vor dem Krieg nicht gedacht.
Ich frage mich was aus dem Mann wurde der mal hier gearbeitet hat. Warum hat der sich in seinem Büro so mit Essen eingebunkert? Laurent Leriche hieß er. Steht zumindest auf dem Schild auf seinem Schreibtisch. Er muss wohl schon einen hohen Posten bekleidet haben, wenn er eine eigene Messingplatte auf dem Schreibtisch stehen hatte. Neben dem verstaubten Computerbildschirm steht ein Foto von einer Frau und einem kleinen Mädchen. Hat er seine letzten Minuten mit ihnen verbracht? Oder starb er auch irgendwo weit weg an der Front als namenloser Soldat? Sind sie geflüchtet und leben noch? Ich hoffe es.
Was sagen Terroristen zu ihren Kindern wenn sie sie mit großen Augen ansehen und fragen was Papi macht wenn er nicht zuhause ist?

Tag 830
Julia ist jetzt seit zwei Wochen verschwunden. Gestern Nachmittag dachte ich, ich hätte sie gesehen. Ein Mädchen mit schwarzen Haaren ist über den Platz beim Supermarkt gelaufen in dem ich die Lakritzschlangen gefunden hatte. Aber es war sie nicht. Ich bin ihr hinterhergelaufen und habe laut ihren Namen gerufen, da hat sich das Mädchen umgedreht und mich ganz erschrocken angesehen. Sie dachte ich wäre in einer Gang und wolle ihre Winterjacke stehlen, weil die Nächte jetzt langsam wieder kälter werden. Paule hieß sie und war auf dem Weg zurück zu ihrer Mutter.
Es gibt also noch glückliche Menschen deren Eltern am Leben sind, oder wenigstens ein Elternteil, dachte ich. Ich hoffe sie hat nicht gesehen, dass ich geweint habe als ich wegging. Ich habe keine Ahnung ob vor Freude für sie oder aus Traurigkeit darüber, dass sie nicht Julia war. Wahrscheinlich war es beides.

Tag 832
Ich habe jetzt den Morgen über ein ganzes Blatt vollgekritzelt und es verschwendet. Ich habe versucht irgendwie meine Ängste und Sorgen aufzuschreiben, aber es wurden immer wieder nur die Sätze “Ich liebe dich Julia” und “Ich vermisse dich”. Was ist das für eine Welt in der das jüngste Gericht sein muss damit man sich verliebt?
Ich weiss nicht was ich ohne sie tun soll. Ich kam langsamer voran als sie mir hinterherlief, aber jetzt fühlt es sich so an als ob ich stehen bleiben würde egal wie schnell ich auch renne. Ich habe Blei im Herzen und Beton an den Füßen.
Wieso habe ich diesen dämlichen Satz nur gesagt?

Tag 833
Verdammt! Ich hab Magenkrämfpe (glaube ich, jedenfalls sticht es fücrhterlich in meiner Brust), rasende Kopfschemrzen und Fieber. Ich find nicht mal mer Wasser seit zwei Taegn, wo zum Teufel soll ihc jetzt Medikamente herholen? Ich kann mich nohc nicht einmal genug konzentrieren um fehlerfrei zu schreiben.

[Fortsetzung folgt.]

Das Zitat von Mitterand stammt aus dem Jahre 1965 und ist bis auf die letzten drei Sätze echt.

Summer 2007 – Zitater

E puer Sprëch aus menger Summervakanz déi mech all un cool Momenter aus de leschte Méint erenneren.

“Schmiddi, wie heißt die Blonde unter dir?”
“Tom klamm rem aus dem Bett, mir kommen lo nach laanscht ee saufen.”
“Jo dir zwee Verléiwter, huelt iech mol an den Arm fir eng Foto.”
“Wéini bestueds de dech endlech, dass ech Suen kréien?”
“Mir mussen eis eng Kéier gesinn wann ech normal sin. Ech si net emmer sou verréckt.”
“Danz emol mam Papagei.”
“Ech hun déi Folg iwwert d’Fernsehgebühren mat sou engem Genoss gelauschtert…”
“Wou hues du deng Wichsdicher?”
“Hoam se Koks?”
“Your work isn’t depressing. It’s really good and I won’t hear any different.”
“Haalt op mat Flirten dir zwee.”
“Tattoowéierter sin all Schwéierkrimineller.”
“Ech kucke grad a wéi eng Richtung ech well setzen. Do am Eck sinn léiw Meedecher…”
“Ech gi mol kucken op ee Kuch matbruecht huet.”
“Je suis la perfection incarnée.”
“Darf ich dich behalten?”
“Ech hu réischt zwou Taasse gebrach!”
“Wanns de der de Baart raséiers ginn ech mat der an d’Bett.”
“Ech sinn ee feine Mënsch.”
“All Kéiers wann een op däi Blog geet steet eng aner Sprooch do.”
“Merci fir alles.”
“Wanns du eng Kéier e Buch veröffentlechs kafen ech der dräi: eent fir den C., eent fir mech, an eent fir ze verschenken.”
“Op Neuseeland!”
“I don’t know how to pronounce this… Oulduuruuuur?!”
“Ech ka lo hei net katzen soss mengt der all dat wier vum Alkohol.”
“Du krus wuel scho laang kee Béier méi iwwer de Kapp.”
“Pff. Géi bei däi Stuppes.”
“Mir sinn zwar grad déi mega Punken.”
“Wanns du net geschwenn roueg bass bléis du meng Box drëschen!”
“Seventh and last place: Pinnie the Woohs! Come get your shots!”
“Wéi krank muss ee sinn fir bei desem Wierder mat enger Glace duerch d’Staat ze lafen…”
“Ech brauch Schokla! Gi mer an de Quick oder McDonald’s?”
“Wanns de Englesch studéiers, muss de mindestens eng Kéier a Kanada kommen!”
“Thierry, kenns de der net heiansdo schrecklech normal fir mat eis zwee?”
“Mir si légers haut den Owend, du kanns d’Box oploossen.”
“Nach ee Glas dann danzen ech um Dësch.”
“An lo bass du einfach bis Chrëschtdag net méi do. Komësch…”

Ech gleewen et net.

Firun e puer Wochen sot de bloGeescht nom Pubquiz / Bloggertreffen folgendes:

Hehe, dem Thierry säi Blëtz ass sou staark, dass een um Original wahrscheinlech nach d’Autonummer op där aner Stroossesäit erkennt.

Ech sinn grad dobäi meng Fotoen vun desem Summer mol e bessen ze sortéiren, a wat gesinn ech do? D’Plack vum Auto op der anerer Säit. Schéi lieserlech a gestache schaarf. Wahnsinn.

Quotidien

Folgenden Ausschnett aus dem Crumble vu gëschter kann ech iech einfach net firenthaalen. An jo, dat stoung tatsächlech alles am Quotidien (zu hierer Verteidegung muss ee soen, dass awer och eppes iwwer de Jean Asselborn dra stoung, ganz kleng gedréckt ennen op enger Säit). Woubäi dat alles natirlech nach emmer besser ass wéi dem Wort seng “den-Här-Schmidt-geet-an-d’Pensioun” an “d’Boma-Léini-kritt-der-80” an “d’Famill-Müller-vu-Hannerklengsteebrécken-huet-sech-eremgesin”. :)

[audio:http://www.thesoundofseagulls.com/audio/quotidien.mp3]

Crumble

Haut nemmen mat Musék aus Skandinavien! An dat am breeden Sënn: Dänemark, Finnland, Schweden, Norwegen, Färöer Inselen… Vläit souguer Island, wann d’Zäit duergeet nach ee Land eranzequetschen. Natirlech ginn et net déi offensichtlech Mainstream Trends à la The Hellacopters (och wann ech muss gestoen an Versuchung gewiecht ze sinn déi an d’Playlist ze setzen), mee bal ausschließlech nemmen Geheimtippen!
Natirlech och vum Recht erem gefëllt mat Inhalt bis uewen hinner.

Lauschtert eran vun 16 bis 17 op de Frequenzen 103,3 an 105,2 MHz, oder per Livestream (souguer 128k) op Ara.lu.

Dat ass iwwregens déi leschten Émissioun mat mir bis d’Chrëschtvakanz!

Die Generation der Hoffnungslosen (2)

Stell dir vor es ist Weltuntergang und jeder hilft mit. Folgendes ist die Fortsetzung hiervon.

Tag 791
Hippies. Ich weiss nicht warum, aber als ich heute morgen aufgewacht bin musste ich sofort an Hippies denken. Oder vielleicht musste ich nicht an sie denken sondern es war noch ein Überbleibsel eines Traumes. Ich glaube mich vage erinnern zu können, dass ich von Hippies geträumt habe.
Julia meint das wäre wegen ihrer Überzeugung die Menschheit könnte in Frieden leben. Aber ist das jetzt ein Wunsch oder eine Angst? Wir haben Frieden, seit mehreren Jahren. Es ist keiner mehr da der einen Krieg anzetteln könnte. Alle Ressourcen sind aufgebracht, alle Armeen dieser Welt wurden ausgelöscht, niedergemetzelt, atomisiert. Selbst wenn es noch irgendwo Sprengköpfe geben würde die aus Zeitmangel nicht abgefeuert werden konnten, weil der Feind schneller war mit dem Abschießen, niemand der einmal die Kommandocodes hatte lebt noch. Oder zumindest glaube ich, dass niemand mehr von denen lebt. Wahrscheinlich aber sitzen sie irgendwo in einem Bunker, hunderte von Metern unter der Erdoberfläche und haben reichlich zu Essen, zu Trinken und sonst alles was das Herz begehrt. Nun ja, ausser Sonnenlicht. Aber diese Scheißkerle verdienen es auch nicht, jemals wieder die Sonne zu sehen.

Tag 804
Vor fünf Tagen sind wir auf der Flucht vor einer Straßengang an einem alten Schrottplatz vorbeigelaufen. Ich hätte es eher niedergeschrieben, aber mein Kugelschreiber war leer. Zumindest war’s nicht wieder das Papier das mir ausging. Noch sieben Blätter. Ich kann mich noch nicht mal mehr erinnern, wo ich diesen Block überhaupt herhabe.

Tag 805
Wieder fast von einer Gang erwischt worden. Ich wusste, dass ich es bereuen würde Julia mitzuschleppen. Man ist einfach zu langsam zu zweit. Gehen lassen oder gar wegschicken möchte ich sie aber nicht mehr.

Tag 809
Die Tage 412 bis 534 sind weg. Ich kann mich nicht daran erinneren, was damals passiert ist. Wohl das gleiche wie fast jeden Tag, jedenfalls nicht aussergewöhnlich genug, dass es sich in meine Erinnerung eingebrannt hätte. Drei Blätter sind unleserlich geworden, weil es letzte Nacht in das Motelzimmer hineingeregnet hat in dem wir Unterschlupf gesucht hatten. Überraschend war das nicht, sonst hätte wahrscheinlich bereits ein anderer das Zimmer in Anspruch genommen gehabt. Wieso sind manche Menschen immer noch wählerisch?

Tag 810
Die Autos. Darüber wollte ich noch schreiben. Julia fing an zu weinen als sie die Autos sah. Ihr Vater war einmal Autohändler, damals, vor dem großen Krieg. Sie weiss nicht was aus ihm geworden ist. Er wurde eingezogen wie jeder Mann über 18, und irgendwann in den ersten Kriegstagen brach das weltweite Chaos aus, Menschen wanderten aus, rannten weg, zerstörten Städte, brannten Wälder ab. Die Medien hörten auf zu berichten, weil niemand sich mehr um Nachrichten kümmerte sondern die letzten Stunden mit der Familie verbringen wollte. Und sowieso waren die meisten Fernseh- und Radiostudios längst nur noch Ruinen. Ich weiss nicht, ob die Regierungen etwas davon mitbekamen. Die waren wohl zu beschäftigt damit, das Nachbarland auszulöschen.
Die Nacht des Feuers nannten die Leute es, als innerhalb von sieben Stunden Berlin, München, Madrid, Rom, Prag und London zerstört wurden. Wer die Bombe auf wen warf weiss ich nicht, wahrscheinlich wusste das auch damals niemand. Es war Weltkrieg, und es hieß jeden und alles von der Landkarte zu streichen, das nicht zum eigenen Territorium zählte. Ich dachte einmal die NATO wäre dazu da, um solche Dinge zu verhindern. Aber ein Militärbündnis schützt nichts und niemanden ausser den Generälen – und Staatschefs, wenn die Zeit reicht.
Vielleicht waren es aber auch in jedem Fall die Sowjets. Oder die Japaner. Oder die Amerikaner. Oder alle drei. Wir werden es nie wissen. Wer war eigentlich alles einmal eine Militärmacht?

Tag 812
Heute ist Julias Geburtstag. Wir haben das vor einigen Tagen einmal ausgerechnet. Kalender gibt’s ja keine mehr. Traurig, dass man sich noch nicht einmal mehr an den Tag erinnert, auf den man sich als kleines Kind doch immer so gefreut hat.
Ich habe ihr eine Tüte Lakritzschlangen geschenkt. Ich hatte sie vorgestern in einem Einkaufszentrum – oder dem, was davon übrig war – gefunden und heimlich in meinen Rucksack gepackt. Sie hat mich geküsst und gesagt: „Ich liebe dich.″
„Ein Danke hätte mir gereicht,” habe ich erwidert und es sofort bereut. Aber ich hatte diesen Satz nicht erwartet. Liebe, was ist denn das? Sie ist weggelaufen und hat geweint.

Tag 813
Mir ist seit gestern furchtbar übel. Ich habe die ganze Nacht wachgelegen und mich gefragt ob ich verstrahlt wurde. Aber ich musste mich noch nicht übergeben (wie auch, mein Magen ist leer). Die Schmerzen sind so schlimm, dass ich sogar weinen musste. Immerhin ist Julia noch immer weg und sie sah mich nicht so. Ich habe noch nie vor Bauchschmerzen weinen müssen.
Ich wundere mich wo Julia ist. Ich bin ihr gestern nachgelaufen aber ich habe sie in einer Nebengasse verloren und sie ist noch nicht zurückgekehrt. Ich weiss nicht wo ich suchen soll. Hoffentlich ist ihr nichts zugestoßen.
Klingt das wirklich… komisch? Oder fühlt sich das nur so an beim Schreiben?

Tag 815
Ich glaube, ich bin doch nicht verstrahlt. Wenn, dann wäre ich womöglich längst tot, aber außer der Übelkeit und den Bauchschmerzen ist nichts hinzugekommen.
Julia ist noch immer nicht da.

Tag 816
Seit vier Tagen streife ich nun wieder alleine durch diese Stadt, die immer weniger nach Paris aussieht, aber auch nicht mehr nach einer anderen Stadt. Als Kind habe ich mir immer wieder gewünscht in einer richtigen Großstadt zu leben. Einer Millionenstadt. Einer Metropole. Alleine das Wort klingt spannend, fand ich mal. Von den Millionen Menschen sind vielleicht noch einige hundert am Leben. Womöglich auch weniger. Man könnte meinen es wäre nicht so schwer, unter hundert Menschen eine Person wiederzufinden. Aber wenn man nicht einmal weiss, wo man suchen soll und dazwischen immer wieder vor Straßenbanden flüchten und irgendwo an Wasser und Essen kommen muss, ist nichts mehr einfach.
Heute morgen als ich aufgewacht bin habe ich lauthals „Ich liebe dich!” geschrien. Meine Mutter sagte einmal, wenn man eine Person liebt und nicht mit ihr zusammensein kann, geht es einem schlecht. Wieso hatte ich das vergessen? Juliaaa! Ich liebe dich! Ich liebe dich, Julia! Ich liebe dich! Je t’aime! Oh mein Gott, ich liebe dich! Wo bist du nur?

[Fortsetzung folgt bei Interesse.]