Psychose

Physisch bin ich noch hier, glaube ich. Die Gedanken sind unlängst in einer anderen Stadt, einem anderen Land, einer anderen Welt. Irgendwo da draussen, wo es noch Neues zu entdecken gibt. Wo es Menschen gibt, von denen ich niemanden wiedererkenne und nicht aufzupassen brauche um nicht an jemandem vorbeizulaufen, dem ich zumindest einen Gruß schenken sollte. Ich kann vergessen, dass Menschen die mir noch immer wichtig sind mich ignorieren, und sich nicht einmal bemühen auf eine kurze Email zu antworten.

Ich bin in einer Welt ohne Internet und Telefon, wo man Menschen vermisst wenn man weg geht. Vermissen ohne sich ständig zu wünschen mit ihnen zu reden. Ein Brief braucht lange um einmal um die Welt zu reisen. Ich bin in einer Welt voller Geduld und Zuversicht, wo man sich nicht sorgt wenn man mal eine Woche nichts von den Freunden hört.

In welcher Stadt, in welcher Welt bin ich? Ich erkenne sie nicht wieder, ich war wohl wirklich noch nie da. Sie gefällt mir, so weit weg von allem was einmal wichtig war, so weit weg von dem, der ich einmal war, so weit weg von allem, was schiefging. Vielleicht werde ich in jener Welt bleiben, es bringt mich nichts zurück.

Ich bin in einer Welt in der es ein Wort gibt, das Vertrauen heisst. Der Ausdruck klingt bekannt, aber ich kenne seine Bedeutung nicht. Ich habe das Gefühl ich hätte es einmal gewusst. Was war dieses Vertrauen nochmal?

Wenn ich zurück kommen würde, würde ich jedem sagen was er mir bedeutet. Die Leute in dieser Welt würden vor mir zurückschrecken, weil Gefühle ein Kapitalverbrechen sind und über sie zu reden Hochverrat. Dann würde ich mich zurück ziehen und mich einschließen, denn den Weg zurück in jene Welt würde ich in all meiner Traurigkeit vergessen.

Werde ich mich in jener Welt im Spiegel wiedererkennen?

4 thoughts on “Psychose”

  1. Im Spiegel wird man nie erkennen wer man ist, ob hier oder in einem anderen Universum, es gibt keine Einigkeit sondern nur eine Vielfalt. Die Fenster die hinaus blicken auf andere Menschen, so gross sie auch sein mögen; das Glas bleibt eine Trennung.
    Wenn du in deiner Welt glücklich bist, so hast du sehr vielen einen Schritt vorraus. Ich beneide und bedauere dich.

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