Psychose

Physisch bin ich noch hier, glaube ich. Die Gedanken sind unlängst in einer anderen Stadt, einem anderen Land, einer anderen Welt. Irgendwo da draussen, wo es noch Neues zu entdecken gibt. Wo es Menschen gibt, von denen ich niemanden wiedererkenne und nicht aufzupassen brauche um nicht an jemandem vorbeizulaufen, dem ich zumindest einen Gruß schenken sollte. Ich kann vergessen, dass Menschen die mir noch immer wichtig sind mich ignorieren, und sich nicht einmal bemühen auf eine kurze Email zu antworten.

Ich bin in einer Welt ohne Internet und Telefon, wo man Menschen vermisst wenn man weg geht. Vermissen ohne sich ständig zu wünschen mit ihnen zu reden. Ein Brief braucht lange um einmal um die Welt zu reisen. Ich bin in einer Welt voller Geduld und Zuversicht, wo man sich nicht sorgt wenn man mal eine Woche nichts von den Freunden hört.

In welcher Stadt, in welcher Welt bin ich? Ich erkenne sie nicht wieder, ich war wohl wirklich noch nie da. Sie gefällt mir, so weit weg von allem was einmal wichtig war, so weit weg von dem, der ich einmal war, so weit weg von allem, was schiefging. Vielleicht werde ich in jener Welt bleiben, es bringt mich nichts zurück.

Ich bin in einer Welt in der es ein Wort gibt, das Vertrauen heisst. Der Ausdruck klingt bekannt, aber ich kenne seine Bedeutung nicht. Ich habe das Gefühl ich hätte es einmal gewusst. Was war dieses Vertrauen nochmal?

Wenn ich zurück kommen würde, würde ich jedem sagen was er mir bedeutet. Die Leute in dieser Welt würden vor mir zurückschrecken, weil Gefühle ein Kapitalverbrechen sind und über sie zu reden Hochverrat. Dann würde ich mich zurück ziehen und mich einschließen, denn den Weg zurück in jene Welt würde ich in all meiner Traurigkeit vergessen.

Werde ich mich in jener Welt im Spiegel wiedererkennen?

Writer’s Block

Hello sunset. This blinking cursor drives me insane. When will you write? Come on. Write something. I won’t stop blinking till you do. Free indirect speech. Jane Austen. Boring. I’m insane. On the verge of giving up. I can’t give up writing.

What’s that song playing in the background? Who cares. It doesn’t inspire me. Maybe I should go for a walk. It didn’t help last time. Nothing helps.

Do you think every human has a certain quota after which he just becomes allergic to things? Different context but fitting. Random quotes running through my head. Pictures of people in front of my inner eye. I don’t recognize them. Poems bad and worse. I want to write one about you.

I don’t recognize myself. On Tuesday we were asked to think about the moment we realized that we had become a different person, an adult. Nobody said anything. Am I the only one who can pinpoint it down to the year, month, day, hour, minute, place? I didn’t say anything. This world is even more different from my own than I thought it was. Something is going incredibly wrong with this one. And I know why I can’t write.

Random thoughts but no ideas. Divorce. First love. How do you write a story for teenagers about that? Probably I won’t. I hit the keys on my keyboard, I type the world away but get nowhere. I write two pages of prose in class and end up without any idea where the story is going, because there is none.

Scribbling away. But I can’t stop writing either. Reading didn’t help. Watching a movie didn’t help. Watching tv didn’t help. Listening to music. Going for a walk. Reading. Going out. Locking myself in my room. Fooling around on Facebook. It’s all leading to nothing. Soon we will be speaking Italian around here. Nothing at all.

I miss you. Oh my God, I miss you so much. And I have no idea how I should tell you I love you.

Somebody get me out into a different world.

Prison Break

I so wish FOX weren’t such an effing greedy company and had not altered the plan of that series (it originally had a story arc for two seasons after which it was due to end) only because the ratings were good (that’s never stopped those idiots from cancelling a series before). Seriously, why would I continue watching that series now that they’ve not only run out of ideas to keep the series going (is it just me or is the third season just a cheap rip-off of the first season?!) but they’ve also killed my favourite character. Hoping to see that character back on the screen was the only thing that kept me going this season.

Kinda remembers me of when they killed Tony Almeida in 24. At least he properly appeared in that episode. That’s it FOX. I won’t even give any series you produce a chance anymore. It’s just not worth it.

Yes, I know. It’s only a tv series and it’s trivial. But it makes me angry nontheless to see that big corporations, no matter what they’re selling, still think they can just screw around with people who consume their products.

At least I got an hour of my week back. I’ll just use that time to read more books then. Screw you, FOX!

Die Generation der Hoffnungslosen (5)

Es fühlt sich an als müsste es einen unglaublichen Knall geben, aber ein Herz bricht lautlos. Den ersten Teil gibt es hier, den zweiten hier, den dritten hier, und den vierten hier.

Tag 1
Ich bin mir nicht sicher ob ich jetzt zählen soll ab wann ich schreibe, oder ab wann ich nun hier sitze. Vielleicht sollte ich auch einfach weiterzählen, aber wieviele Tage habe ich verpasst? Soll ich überhaupt schreiben?
Wie lange ist der Krieg nunmehr vorbei? Ich habe keinen Schimmer wann er angefangen hat zu zählen. Es müssen wohl etwas über zwei Jahre sein, womöglich auch fast drei.
Was aus meiner Familie wurde weiss ich nicht, papa starb wohl irgendwo im Krieg, aber ich bin mir nicht sicher. Von der Front kam niemand zurück, auch nicht die Überlebenden. Man hatte keine Mittel mehr die Soldaten zu transportieren und niemand läuft zu Fuß hunderte von Kilometern wenn er weiss, dass zuhause alles in Schutt und Asche liegt.
Ich hoffe papa ist tot. Denn das würde bedeuten, dass er das hier alles nicht mehr mit ansehen muss. Sich nicht jeden Tag mit der Frage quälen, ob irgendjemand seiner Familie überlebt hat. Nicht mit ansehen, wie sein Kind Tag für Tag umherstreunt, verzweifelt auf der Suche nach Wasser und etwas Essbarem. Wie alles, für das er gekämpft hat zerstört wurde. Es würde auch bedeuten, dass er uns nicht aufgegeben hat, maman und mich. So sehr ich verstehe, dass er es nicht zurück nach Frankreich schaffte, so sehr wäre ich auch traurig darüber, dass er nicht alles getan haben sollte um seine Familie wiederzusehen. Aber das hätte er.
Manchmal frage ich mich warum papi die Flucht aus Deutschland überlebt hat und bei mami untergetaucht ist. Nur damit maman und ich den Weltuntergang miterleben können? Warum überleben wir? Wäre es nicht besser die Menschheit würde jetzt einfach aufgeben und den nachfolgenden Generationen all dieses Leid ersparen? Überleben um die Hoffnungslosigkeit zu fühlen weil man jeden den man liebte verloren hat und jeden den man trotz all des Schmerzes in sein Herz schließt auch wieder verliert – oder nie wirklich hat?

Tag 2
Wie lange er wohl schon hier liegt? Er redet nicht viel, und wenn ist es nur ein ziemlich unverständliches Genuschel. Seine Stirn glüht immer noch. Ich habe ihm Wasser gegeben, aber ich glaube nicht dass es viel geholfen hat. Ich würde ihn so gerne in den Arm nehmen. Einfach nur umarmen. Einen anderen Menschen festhalten. Ich will ihn nicht verlieren. Ich dachte es wäre einfacher wegzulaufen und wieder alleine zu sein, aber das ist es nicht.

Tag 3
Ich habe eine Apotheke gefunden, aber keine Ahnung wie ich hineinkommen soll. An den Fenstern sind die Rollgitter heruntergelassen und ich bin nicht stark genug um sie hochzuziehen. Jetzt sitze ich hier auf der Treppe vor der Tür, vor einem Haus gefüllt mit Medikamenten und ich komme nicht an sie ran. Durch den zweiten Stock käme ich vielleicht hinein, aber ich weiss nicht wie ich da hochkommen soll. Ich wünschte papa wäre hier.

Mir wird langsam kalt. Ich mochte den Winter nie, aber seit dem Ende des Krieges hasse ich ihn. Ich mache mir Sorgen um ihn; ob er friert im Büro? Wenn man Fieber hat soll man doch warm gehalten werden. Soll ich zurück gehen? Eigentlich hasse ich ihn noch immer für das was er getan hat. Aber ich kann ihn doch jetzt nicht alleine lassen. Ich finde ja jetzt sowieso keinen Weg hier rein. Ich hasse ihn nicht. Ich hasse dich nicht. Hörst du?

Ich habe auf dem Schrottplatz eben eine rostige Eisenstange gefunden und bin sofort zurückgelaufen und habe das Gitter etwas angehoben. Es war nicht viel aber es reichte um drunter durch zu kriechen. Es ist jetzt auf der rechten Seite etwa einen halben Meter über dem Boden eingeklemmt. Dass ich einmal in eine Apotheke einbrechen würde…

Tag 4
Das Paracetamol scheint zu wirken. Heute morgen fühlte sich seine Stirn endlich etwas kälter an als gestern.

Ich habe die ganze Nacht über geweint. Ob er das gehört hat? Ich glaube nicht, dass ich auch nur kurz geschlafen habe. Es fühlte sich mehr an als hätte ich vor Erschöpfung einfach das Bewusstsein verloren. Ich würde immer noch weinen, aber es sind keine Tränen mehr da. Das klingt nach einem Klischee. Aber kann ein Körper noch Tränen produzieren wenn man schon lange kein Wasser mehr getrunken hat?

Tag 5
Es geht ihm langsam wieder besser. Ich habe das Gefühl er hätte die letzten Tage gar nicht richtig gemerkt, dass ich da bin. Vorhin hat er mich angesehen und gesagt “im Himmel ist es schön”. Dann hat er geweint und “ich wollte nicht, dass du stirbst” geschluchzt. Ich habe vor Freude gestottert und ihm erklärt, dass er nicht tot ist und ich auch nicht. Dann hat er sich aufgesetzt, nach vorne gebeugt, und mich umarmt.

Und dann flüsterte er “ich dich auch, Julia, ich dich auch”.

[Fortsetzung folgt.]