November 2007

Es geht los…

An all jene unter euch, die glauben sie hätten nichts zu verbergen: schaltet euer Gehirn doch bitte schnellstmöglich ein.

Krasse Überwachungsfälle gegen Punk-Bands, Mitglieder der “ostdeutschen Zeitschrift” telegraph und andere Pressevertreter sorgen hierzulande verstärkt für Unbehagen. Zum einen ergeben sich immer mehr Details über die Ermittlungen im Fall des staatlichen Vorgehens gegen die “militante gruppe” (mg) und damit zusammenhängenden Verdächtigen. Demnach haben Fahnder im Auftrag der Bundesanwaltschaft nicht nur Briefe aus der linken Szene an Berliner Tageszeitungen abgefangen, sondern auch im großen Stil Telefongespräche zwischen Journalisten etwa des NDR, der taz und von Spiegel Online abgehört, protokolliert und ohne Anomymisierung zu den Akten gegeben.
(…)
Gegen den Soziologen [Andrej H.] folgten laut der Stellungnahme der Redaktion Rundum-Observationen mit Hausdurchsuchungen, GPS-Wanzen am Auto, stündlich zugesandten “stillen” SMS auf Handy, Videoüberwachung, Kontrolle des Surfverhaltens im Internet und der E-Mail-Kommunikation sowie die Überprüfung des Freundeskreises und weiterer Personen.
(…)
Nun meldet MfA, dass auch die Staatsanwaltschaften Stuttgart und Gießen seit knapp einem Jahr gegen sie aufgrund des Lieds “Amoklauf” ermittle. Demnach soll der mit dem Fall beauftragte Staatsschutz das Umfeld der Bandmitglieder observiert, Schulakten durchforscht und Konzertveranstalter kontaktiert haben. Zudem habe sich ein Fahnder mit einer extra angelegten E-Mail-Adresse im Fanklub von MfA angemeldet. Dies alles sei ohne Kenntnis der Bandmitglieder geschehen, die nach eigenen Angaben erst kürzlich aufgrund der Befragungen in ihrem Umfeld von den Ermittlungen erfahren haben.

Lasset die Totalüberwachung und die Diktatur beginnen.

(Hervorhebungen hinzugefügt)

Why religion is undeniably evil

Your antagonist has to be able to do the following thing: he has, or she, to name a moral action performed or a moral statement made by a believer that could not be made or performed by an unbeliever.
I’ve been doing this for months now, it’s been on the Christianity today website, it’s been on Sally Quinn’s wonderful site I hope you visit, OnFaith, Washington Post Newsweek, and many other places, and I haven’t yet had one reply. Except in junction to love your ennemies, which I don’t think is a moral one. Do I love the theocratic suicide murderers? No, I don’t. I dislike them. I wish to encompass their defeat. They wish to be martyrs? Okay, I’m here to help. But it would be positively immoral to say that one loves them. It would be disgraceful, cowardly and masochistic – and there, three words you have the roots of Christianity. And that’s why, I suppose, no Christian leader took the occasion of the theocratic barbaric assault on our civil society to say that now was a moment to declare our love for these fashistic goons.
So, my challenge also has a corollary, and you can try this on an audience, too: please can you think of an immoral statement made or an immoral, wicked action performed by someone who could only have been religious. Very strange, noone has any difficulty coming up with an answer right away to that.
They can’t answer the first and they can’t avoid the second. I wouldn’t say it’s a q.e.d., but I think it’s very suggestive.

Christopher Hitchens

Die Generation der Hoffnungslosen (7)

Hinter dem Horizont geht die Sonne nie unter. Den ersten Teil gibt es hier, den zweiten hier, den dritten hier, den vierten hier, den fünften hier, und den sechsten hier.

Tag 872
Willkommen am Ende der Welt. Mit so einem Satz würde wohl die Werbung für einen Film anfangen, in dem es einen großen Krieg gab und fast alle Menschen ausgestorben sind. Bei so vielen Filmen über ein Dystopia, warum hat da niemand erkannt, dass genau das passieren würde wenn die Bombe fällt?

872. Die Zahl erinnert mich an ein Theaterstück von John Kessel, von dem ich kurz vor Kriegsausbruch noch gehört hatte. A Clean Escape hieß das glaube ich. Nachdem die Welt durch eine zu starke Waffe in einen nuklearen Winter versetzt wird gibt es nur noch 872 Überlebende, und sie leben irgendwo hunderte Meter unter der Erde in einem riesigen Militärbunker. Ich frage mich ob es auch jetzt, hier in der Wirklichkeit, nur 872 Überlebende gibt. Oder ob irgendwo eine Regierung schöne warme Bette hat und sich nicht darum sorgt ob es hier draussen noch Menschen gibt.

Tag 873
Jetzt sind wir schon mehrere Wochen hier auf dem Bauernhof. Francine heisst die alte Frau und sie spricht nur französisch. Ich war noch nie so froh, Julia bei mir zu haben. Obwohl. Besser wäre: ich bin jetzt noch froher, Julia bei mir zu haben.

Wir helfen Francine auf dem Bauernhof. Sie hat ein paar Kühe, Schweine, Hühner und sogar ein Pferd. Julia ist vor Freude in die Luft gesprungen als sie das Pferd im Stall gesehen hat. Sie ist sofort ausgeritten. Ihr Lachen war sogar noch schöner als die Musik die sie damals auf den Konservendosen gespielt hat.

Francine erzählte, dass bei Kriegsanbruch alle das Dorf verließen. Sie ist zurückgeblieben und hat sich um ihren kranken Mann gekümmert. Er war zu schwach um zu reisen, und selbst als er Francine sagte sie solle ihn zurücklassen und sich in Sicherheit bringen, ist sie geblieben. Sie waren siebenundvierzig Jahre verheiratet. Als Jean schließlich starb war der Krieg bereits vorbei. Alles was sie jemals besaß befand sich auf diesem Bauernhof, also blieb sie.

Tag 874
Jean hatte ein großes Büro, gefüllt mit alten Büchern. Francine sagte, er habe sich sehr für die Vergangenheit interessiert. Viele der Bücher sind über den zweiten Weltkrieg, und überall liegen Fotoalben mit schwarzweissen Bildern von früher. Es scheint als habe er alles seit den vierziger Jahren minutiös festgehalten. Selbst Briefmarken und Münzen aus jedem Jahrzehnt fand ich in einer Schublade seines Schreibtisches.

Francine freut sich, dass ich das Büro so durchwühle. Sie sagt das sei auf eine gewisse Art und Weise als würde ihr Mann weiterleben. Selbst jetzt, so viele Jahre nach seinem Tod, bringe er Menschen noch Dinge über das Leben bei. Ich glaube sie hat Recht. Manchmal fühlt es sich so an als sei Jean ein alter Freund, der bloß verreist ist und den ich bald wiedersehen werde.

Er hatte viele Notizbücher, und einige davon sind noch leer. Francine hat mir erlaubt sie zu benutzen um dieses Tagebuch weiterführen zu können. Eine andere Möglichkeit an Papier zu kommen gibt es hier draußen sowieso nicht. Ich weiss nicht, wie ich ihr danken soll. Aber sie sagt wieder eine Seele im Büro ihres Mannes zu wissen sei Dank genug.

Tag 876
Mittlerweile habe ich mich so sehr daran gewöhnt jeden Tag Milch auf dem Frühstückstisch zu haben – und überhaupt einen Frühstückstisch – dass ich mich manchmal daran erinnern muss, dass wir in einer postapokalyptischen Welt leben. Francine ist eine wunderbare Frau, sie kümmert sich um uns als wären wir ihre eigenen Enkelkinder.

Wir arbeiten den ganzen Tag im Stall und sie kocht uns dafür Essen und gibt uns ein warmes Bett. Sie ist zu schwach, um selbst noch viel im Stall zu arbeiten.

“Euch schickt der Himmel,” hat sie heute morgen gesagt als Julia zwei Flaschen Milch aus dem Stall brachte während Francine und ich den Tisch deckten.
“Der Himmel hat uns zu dir gebracht,” erwiderte Julia. Das Gefühl habe ich auch.

Tag 878
Ich habe heute ein Foto von einem kleinen Jungen gefunden. Francine verriet mir, dass das Jean war, am Tag seiner ersten heiligen Kommunion.
“Glaubst du, das hatte einen Sinn?” hat sie mich gefragt.
“Was?”
“Die heilige Kommunion. Gibt es irgendetwas Heiliges in dieser Welt?”
“Nein, schon lange nicht mehr.”
Dann hat sie mich traurig angesehen und gefragt, ob ich noch Holz hacken gehen könnte.

Tag 880
Ich lerne französisch! Ich habe in einem der Nachbarhäuser ein französisches Schulbuch gefunden. Grammatik und ein paar Vokabeln. Es scheint mir ein Buch für das erste oder zweite Schuljahr zu sein. Auf der ersten Seite steht: “Ce livre est à Pierre Vancant. 1973.” Danke Pierre. Ein bisschen Syntax kann ich ja bereits, und den Rest werde ich in den Gesprächen mit Francine und Julia irgendwie aufschnappen. Es irritiert mich bei jedem zweiten Satz Julia nach einer Übersetzung fragen zu müssen. Und ich glaube so langsam ist Julia auch etwas genervt davon ständig als meine Dolmetscherin zu fungieren.

Noch vor einem Monat hätte ich nicht gedacht, dass irgendetwas in dieser Welt es noch wert wäre zu lernen. Das Leben war vorbei; warum hätte man seine Zeit damit vergeuden sollen neue sinnlose Dinge zu lernen?

Tag 881
Letzte Nacht schliefen Julia und ich auf dem Sofa obwohl wir doch eigentlich ein Bett haben. Ich habe französische Vokabeln gelernt als Julia ins Wohnzimmer kam. Sie sah erschöpft aus, ihr schwarzes Haar war zerzaust und ihre Augen funkelten mit der Art Glücks, das man nur nach abgeschlossener, harter Arbeit empfindet. Sie hat sich neben mich gesetzt und ihren Kopf auf meine Schulter gelegt.

“Mon nounours… Tu crois qu’on est sauf? Finalement?” Dann hat sie sich fest an mich geschmiegt und ist eingeschlafen. Ich hätte nicht gewusst was ich ihr hätte antworten soll. Ich habe zuviel Elend gesehen um optimistisch zu sein. Sie ist doch die, die immer Hoffnung verbreitet.

[Fortsetzung folgt.]

Meine Projekte – Der aktuelle Stand

1. Die Generation der Hoffnungslosen

Es ist etwas still geworden um die beiden Helden in einer Welt nach dem dritten Weltkrieg. Das lag vor allem daran, dass ich zur Zeit viele Kurzgeschichten und Gedichte für meinen Kurs schreiben muss, also wenig Zeit bleibt für solch groß angelegte Nebenprojekte (Die Geschichte erstreckt sich mittlerweile – den Entwurf des siebten Teils mit eingeschlossen – über 16 Seiten, das sind mehr als 6000 Wörter, oder über 30700 Zeichen. Das ist die Länge, die ich in jedem meiner Kurse dieses Jahr erreichen muss.)
Es lag aber auch daran, dass ich nicht weiterschreiben wollte, ehe ich eine grundlegende Frage beantwortet hätte: wird es ein Happy End geben oder läuft das ganze auf ein düsteres Finale hinaus? Beides hätte etwas klischeehaftes, aber in eine der beiden Richtungen muss sich die Geschichte wohl oder übel entwickeln. Ich bin mir jetzt endlich darüber im Klaren wie die Geschichte enden wird. Und deshalb wird es bald weitergehen. Womöglich bereits morgen.

2. Les jeunes mélancoliques Webseite

Darüber fragen mich wohl die meisten Leute aus. Vor mehreren Monaten wurde sie bereits angekündigt, doch auch sie litt in den letzten Wochen leider unter meinem Zeitmangel. Langsam tut sich aber was. Das Design ist fertig gestellt (abgesehen von einigen Kleinigkeiten wie die Farbe der Links), jetzt muss ich nur noch Inhalt zusammentragen. Mit etwas Glück müsste sie noch diesen Monat online gehen.

EDIT: Kann mir mal wer sagen, warum WordPress Amok läuft und diesen Artikel plötzlich wieder als Entwurf abspeicherte??

Jack Bauer – 13 years earlier

This is genius! Do you remember the time of AOL, pagers and dot-matrix printers? Do you remember a time without mobile phones, broadband and even ISDN? Here’s what 24 would have looked like if it had been created back in the old days.

(via Hoppes Welt)

Onbeschreiwlech schlecht

Kann Westlife eigentlech soss nach eppes wéi d’Leit mat onwahrscheinlech grauenhafte Coverversiounen vun absolut gäile Lidder quälen? Do traus de dech jo mol net méi de Radio unzemaachen. An ech hat gemengt hiere Cover vu Mandy wier schlecht.

[Fir déi Leit déi et nach net héiren hunn: hier neiste Single heescht “Home” an ass e Verbriechen un der Originalversioun vum Michael Bublé. Domatter géing ech emol net mäi Noper quälen, an deen hätt Grausames verdéngt.]

Exklusiv: d’lëtzebuerger Regierung 2009

Voilà, schon annerhallewt Joer firun de Walen gett et op dëser Plaz exklusiv déi zukünfteg Regierung. Zesummegestallt vum Tom a menger Wéinegkeet. Am Viraus schon Gratulatioun un déi nei Ministeren!

Claude Meisch: Premierminister a Staatsminister
François Bausch: Vizepremierminister, Aussenminister an Minister fir Aussenhandel
Charel Goerens: Innenminister, Budgetsminister a Minister fir Landwirtschaft
Philippe Schockweiler: Minister fir Integratioun an Immigratioun
Anne Brasseur: Héichschoulministesch, Sportministesch a Ministesch fir Fuerschung
Félix Braz: Minister fir Landesplanung, Bauteminister an Transportminister
Xavier Bettel: Justizminister, Minister fir Chancegläichheet a Sozialminister
Viviane Loschetter: Emweltministesch, Finanzministesch a Ministesch fir Wunnengsbau
Camille Gira: Arméisminister a Verdeedegungsminister
Alexandre Krieps: Gesondheetsminister, Minister fir öffentlech Verwaltung a Verwaltungsreform
Claude Lamberty: Arbeschtsminister, Bildungsminister a Minister fir de Mettelstand
Claude Adam: Kulturminister, Kommunikatiounsminister a Minister fir Tourismus
Lydie Polfer: Ministesch fir humanitär Hellef a Kooperatiounsministesch

George Gudenburg: Datenschutzbeoptragten
Carlo Wagner: Chamberpresident
Nicolas Schmit: Ombudsmann
Colette Flesch: Staatssekretärin

Glückwunsch, Herr Schäuble

Deutschland ist ab heute, Freitag den 9. November, ein Überwachungsstaat. Auch Demonstrationen im ganzen Land und ein geschlossenes Votum der Opposition gegen das heftig umstrittene Gesetz konnte es nicht mehr verhindern: der Deutsche ist ab nun der Prototyp des gläsernen Menschen.

Ein kleiner Trost ist lediglich die Tatsache, dass durch eine Forderung der Grünen und der Liberalen das Votum auf einer detaillierten Namensliste festgehalten wurde. Wenigstens wird man so in den nächsten Tagen die Liste der Politiker veröffentlichen können, die die Privatsphäre endgültig abgeschafft haben.