December 2007

What life will you choose?

“Goodbye,” you say, “next week we’ll see each other
six hundred miles away from here,” and turn away.
The day is long in hours but short in time –
a lecture, lunch with a friend and packing my bags.

“I’m sorry for you,” the lecturer said, “this truth
makes your poem even better, in a sad way.
There will be more moments like this in your life
the older you grow, but you’ll never get used to them.”

“Nice meeting you again,” the friend said
before we shook hands and wished each other
happy holidays, or Christmas, or whatever it is,
and left each other behind in this fading year.

Packing my bags is a strange feeling
still. It should be a short break only, lying down
on the bed and listening to Arturo Stalteri.
But your smell still lingers on the blanket,
and that other world is still here.

As the cellos grow old I realise I’ll never
get used to saying goodbye: a part of me dies
every time someone walks away –
maybe I should never have left.

Zitater (2)

You’ve met him, haven’t you? He’s a nice guy. A nice guy with a shotgun. // Ech sin virun allem komesch, ‘t ass méi daat. // I bet I’m really sexy right now. // Edinburgh?! Yuk, that sounds like it’s in Scotland… // Fir falls de erem Zitater sammels… // Some universities write you such a nice letter that you’re thinking: “Yes! I’m in!” And then in the last line it says something like “Unfortunately…”. // He’s so patriotic. I bet as a child he was always left alone and then one day he looked down on the floor and shouted: “Wales!” // The UK… That’s a country only on paper. In the hearts of Welsh people, Scottish and Irish are foreigners, and especially the English. // Da soen ech dir dat selwecht wéi dem Leti: Du bass langweileg an onintressant! // I thought: “I saw this poem before, and heard those questions before.” And then suddenly it dawned on me: we workshopped the piece last year. And the teacher was making the very same comments about it! // I’ll say: “Grrrrr! Can I have a place on the MPhil, please?” // When he said the guy has been replaced by a computer I thought he meant a mean accountant, but it’s actually a real computer! // I’m gonna train the dog to kill you.

The Golden Compass

Podcast mat ausféierlechem Kommentar ass a Virbereedung, mee ech sinn batter enttäuscht vum Film.

Von Kriegen, Stille, Alkohol und chronischer Grundlosigkeit

Das Leben könnte so schön sein. Ich träume vom Land der Gletscher, Vulkane und ältesten Sprache der Welt, habe mir leckere Köttbullar gekocht, die Regentropfen schlagen gegen mein Fenster als wollten sie sagen “sieh her, der Winter ist da,” aus meinen Lautsprechern klingt das absolut wunderschöne Viðrar vel til loftárása — es entbehrt natürlich, gebe ich zu, nicht einer gewissen Ironie, denn Regen ist wohl kaum das ideale Wetter für einen Luftangriff —, und ich habe wieder einen Proviant an Kirschensaft, der mich an die Urban Bar erinnert, an Joël und an A., und diesen großartigen letzten Sommer der so schnell vorbei war.

Ich liebe Kirschensaft. Jedesmal wenn ich im Supermarkt an den alkoholischen Getränken vorbeigehe schaue ich mir an welche Arten von Bier, Whiskey und Rum sie verkaufen, wundere mich warum im gleichen Regal Cola und Schweppes stehen und frage mich ob die Briten zu dumm sind, den Weg vom Alkohol zu den Limonaden (wahlweise auch umgekehrt) zu finden. Dann sage ich mir jedesmal Alkohol gehöre halt irgendwie zum Studentenleben dazu, und stelle die gerade ausgewählte Flasche wieder zurück ins Regal. Ich schaue mir das Mädchen in der Kasse vor mir an, rede sie aber nicht an, denn die Magie würde verschwinden, und denke mir Geschichten über ihr Leben aus während ich mich an eine Szene aus Tommy Jauds Resturlaub erinnere, wo der Hauptcharakter sich zu Hause fühlt als er das erste Mal in den Supermarkt einkaufen geht, weil man das als Tourist nicht macht.

Das Leben könnte so schön sein. Ich habe mir ein neues Hörspiel des genialen Labels Lauscherlounge gekauft mit meinem Lieblingssprecher Simon Jäger (der spricht unter anderem Matt Damon, Jet Li, Heath Ledger), nächste Woche kommt eine Freundin mich besuchen, am Dienstag werde ich endlich Northern Lights sehen — ich weigere mich strikt, den bescheuerten amerikanischen Titel zu benutzen, denn es ist kein Kompass —, in einer Woche werde ich längst wieder zu Hause sein und mir Love, Actually ansehen, die schönste Weihnachtskomödie die je gedreht wurde, und ich werde bald die Menschen wiedersehen die ich liebe.

Es ist still im Haus, so wie es die letzte Woche über immer war. Ich weiss nicht wo sie alle sind. Ehrlich gesagt kümmert’s mich auch nicht. Diese Menschen wurden mir irgendwann im Laufe der letzten Wochen egal. Sie waren nicht wichtig genug um sie zu hassen, also wurde ich gleichgültig. Die beiden von ihnen die ich mag sehe ich ohnehin fast nie, da ich morgens und mittags Kurse haben und sie mittags und abends — auf einem anderen Campus. Womöglich mag ich sie deswegen noch. Ich mag diese Stille. Ich liebe es nach einem langen Tag an der Uni nach Hause zu kommen und mich auf’s Bett legen zu können mit einem guten Buch oder einfach nur Musik zu hören, ohne, dass mich jemand auffordert den Tag mit einem Besäufnis zu beenden. Manchmal frage ich mich, ob ich alle netten Menschen der Welt schon kennengelernt habe und ich ab jetzt nur noch Idioten begegnen kann. Aber selbst wenn, ist es mir egal, denn immerhin kenne ich bereits tolle Menschen. Ich mag es, in Ruhe gelassen zu werden. Es ist besser als Gespräche zu vermeiden, weil der Gesprächspartner mit zweihundert-prozentiger Sicherheit es schaffen wird von Drogen und/oder Drogentrips zu erzählen — wo mich am Ende am meisten erschrickt, dass ich für solch irren Gedanken gar nicht erst Drogen brauche. Ich liebe es auf der Uni Freunde zu treffen, was zusammen essen oder trinken gehen oder ins Kino gehen, und zu wissen, dass ich danach in meine Wohnung kann und niemand auf mich wartet. Denn ich brauche die Einsamkeit, so wie ich die Menschen brauche.

Das Leben könnte so schön sein. Warum hat die Menschheit Abgabetermine erfunden? Die Playlist ist bei den Einstürzenden Neubauten angekommen. Weil, weil, weil.

Loss

Death is not the greatest loss in life. The greatest loss is what dies inside us while we live.

Norman Cousins

Wherenever

I moulder each time I recall you
wearing a red ribbon that December day
four years ago was this morning.
I die of perfection in the picture of you and
an autistic girl, your best friend, taken
a year ago was yesterday.
I shed a tear because it would have been
worth constricting the world
and universes into one.

There’d never have been poetry,
but poetry wasn’t missed
a lifetime ago was never.

Problem mat de Kommentarer

De Joël huet mech drop higewisen, dass hien keng Kommentarer méi kann hei posten. Dee selwechte Problem (an nach méi, ech konnt och net méi posten) hat ech och, sinn awer ufanks dovunner ausgaangen de Problem léich bei mir an ee vu menge Matbewunner géing Blödsinn mat eiser IP uriichten.

De Probleem louch awer un eppes ganz anescht: de Bad Behaviour Plugin. Et ass awer haut ee Fix erauskomm, deen ennert grad genanntem Link ze fannen ass. Also jiddferengem vun iech, deen dese Anti-Spam Plugin benotzt, sief geroden desen Update z’installéiren.

Haut rein in die Tasten. :)

Die Generation der Hoffnungslosen (9)

Den ersten Teil gibt es hier, den zweiten hier, den dritten hier, den vierten hier, den fünften hier, den sechsten hier, den siebenten hier, und den achten hier.

Tag 894
Was soll ich bloß Julia

Tag 897
Es ist Ich

Tag 906
Ich will schreiben. Ich will wirklich. Aber es geht einfach nicht.

Tag 937
Ist es vorbei? Ist es endlich vorbei? Anderthalb Monate starre ich jetzt schon auf dieses Papier und frage mich wann ich diese Sätze ohne Fragezeichen schreiben könnte. Ich bin kein Arzt, ich weiss nicht wie man diagnostiziert. Wäre Francine nicht gewesen hätte ich gar nicht weiter gewusst. Ihr Bruder hatte vor einigen Jahren auch einmal eine Depression.
Sie isst wieder freiwillig. Das sei ein großer Schritt Richtung Gesundheit, meinte Francine. Sie liegt aber noch den ganzen Tag im Bett.
Wir haben alles versucht um sie aufzumuntern. Leer und sinnlos fühle sie sich, sagte Julia. Aber das wäre ihr egal, denn alles sei egal.
Ich frage mich wieviel Energie ich noch übrig habe. Wie lange ich noch stark genug für uns beide sein kann. Den Tag über arbeite ich und Francine kümmert sich um Julia, sorgt dafür, dass sie trinkt und wenigstens ein bisschen isst, und in der Nacht sitze ich schlaflos neben ihrem Bett und wünsche mir ich könnte ihr einen schönen Traum schenken.

Tag 938
Ich hatte mir vorgestellt, der Tag an dem ich nur französisch reden würde, würde Julia mir sagen wie stolz sie auf mich wäre. Aber sie hat den Tag noch nicht einmal miterlebt. Francine sagte, sie hätte die Augen heute gar nicht geöffnet. Das sei normal, ein Tag könnte man sich etwas besser fühlen und am nächsten Tag wieder zurück am Anfang sein, leer und sinnlos.

Tag 944
Ich arbeite doppelt so viel wie vorher, nur um meine psychische Kraftlosigkeit unter physischer zu verdrängen. So ohnmächtig wie ich mich fühle frage ich mich, wie schlimm es Julia erst gehen muss. Ich weine, sie hat noch nicht einmal die Kraft ihre Gefühle auf die Weise herauszulassen.
“Si ça continue faudra qu’on construit une nouvelle arche,” meinte Francine heute Morgen. Seit einer Woche stürmt es draussen als ginge die Welt unter. Was wohl auch passieren würde, wäre sie nicht bereits untergegangen. Ich hoffe nur, das Wasser wird nicht ins Haus hineinlaufen.
Es fiel mir bisher nie auf, aber die Landschaft um dieses kleine Dorf ist eigentlich schön. Die Natur hat einige Stellen bereits zurück erobert, an manchen Häusern wuchert das Efeu wie verrückt und überall wächst Löwenzahn. Um das Dorf herum erstrecken sich weite Felder bis zum Horizont. Ein bisschen erinnert es mich an Kiruna und den Norden Schwedens. Eine Welt unberührt vom Menschen, wo die Natur alles schön sein lassen kann. Womöglich fühlt sich dieses Dorf deshalb etwas an wie Heimat.
Die Welt ist wohl doch nicht untergegangen. Nur eine Zivilisation.

Tag 953
Heute morgen kam Julia in die Küche und hat sich an den Frühstückstisch gesetzt. Sie hat kein Wort gesagt, und weder Francine noch ich haben nachgefragt. Ich wusste nicht, ob ich etwas sagen sollte, und da Francine still blieb dachte ich mir es wäre besser auch nichts zu sagen. Ich sah Julia an und lächelte. Dann legte ich meine linke Hand auf ihre rechte. Sie blickte auf und ich glaube ihre Lippen deuteten ein Lächeln an.

Tag 954
Wir haben die ganze Nacht über geredet. Julia sagte mir, sie habe Francine viel erzählt über ihr Leben vor dem Krieg und von dem Mann, den sie nur als maître anreden durfte und der sie als Sklavin hielt. Ich wunderte mich warum Francine mir nie davon erzählte oder warum Julia nicht mir mir redete, aber dann blickte Julia in meine Augen als ob sie etwas in ihnen suchen würde.
“Du sagtest einmal, du würdest es nicht ertragen können mich leiden zu wissen, noch nicht einmal in der Vergangenheit. In all dem Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit hätte ich es doch nicht ertragen können wenn du dir noch mehr Sorgen um mich gemacht hättest.”
“Ich liebe dich. Und wenn du mich brauchst, bin ich da. Auch wenn es mich selbst zerstört. Du bist das Einzige auf dieser Welt, das es noch wert ist um jeden Preis zu beschützen.”
“Nein. Du bist es auch.”
“Weisst du, es gab Momente da dachte ich, ich würde dich nie wieder sehen.”
“Ich war doch aber hier?”
“Ja. Aber auf eine gewisse Weise warst du auch weg. Ich will dich nicht verlieren. Diese Wochen waren noch schlimmer als damals…”
“Ich wünschte mir, ich wäre nicht weggelaufen.”
“Wo warst du?”
“Nein. Ich werde nie wieder deine Julia sein.”
“Das wirst du immer. Wenn du es Francine erzählen kannst…”
“Das habe ich Francine nicht gesagt. Das werde ich auch nie. Sie würde mich sofort wegschicken.”
“Das würde sie nie tun. Sie saß jeden Tag neben dir und hat sich liebevoll um dich gekümmert. Du bedeutest ihr sehr viel.”
“Ich würde mich selbst wegschicken. Ich dachte ich könnte es verdrängen, vergessen. Aber es ist zu stark. Ich sehe es immer wieder vor mir. Wie er… Wie ich…” Sie schluchzte und blickte einige unendliche Momente auf ihre zitternden Hände.
“Was ist passiert? Diese Ahnungslosigkeit quält mich mehr als es irgendeine Wahrheit könnte.”
“Du wirst mich nicht mehr lieben.”
Sie setzte sich auf und drehte sich von mir weg. Ich stand auf und ging um das Bett herum, kniete mich vor sie auf den Boden, und hob ihr Kinn sanft hoch, so dass ich ihr in die Augen sehen konnte. Sie drehte sich wieder weg.
“Sieh mich an,” sagte ich sanft. Eine Träne lief ihre Wange herunter. “Julia, was du vorhin in meinen Augen gesucht hast…”
“Mich. Ich habe mich gesucht. Gibt es mich in deiner Seele? Bist du der Teil von mir der fehlt? Wirst du wirklich immer da sein?”
“Es gibt keine Kirche mehr, ich kann dir keine ewige Liebe vor einem Gott mehr schwören, und ich kann dir noch nicht einmal einen Ring schenken, aber ich werde dich immer lieben.”
Sie sah mich an und ihre Augen funkelten kurz auf. Doch dann brach eine Art Traurigkeit über sie herein die ich noch nie gesehen hatte.
“Ich habe ihn getötet.”

[Fortsetzung folgt.]