Schlaflos in Oslo

Dieses Gefühl der Leere. Zu sagen es wäre neu wäre eine Lüge. Als ob einem der ganze Brustkorb rausgerissen worden wäre aber man aus irgendeinem Grund trotzdem weiterleben würde. Aber dieses Mal fühlt es sich an, als würde das Ganze auf einer Ebene ablaufen auf der es noch nie ablief.
Craig Ferguson ist wieder da. Eine Flasche acht Jahre alten Bell’s Blended Scotch Whisky. Das alles macht es etwas erträglicher. Die Zwiespältigkeit dieses Lebens. Manches ist so wunderbar, vieles ist so unerträglich. Nimm mich mit, ich habe noch nie das Meer gesehen.
¿Qué tal? Tausend Glassplitter liegen auf meinen Tasten, und ich tippe trotzdem. Ich habe kein Blut mehr. Das mit der seltenen Krankheit. Wilson hat Recht, Nummer 13 ist echt süß.
Ich habe vor kurzem dieses Mädchen kennengelernt. S. Das Universum hat Humor. Mein ganzes Leben schon verfolgt mich dieser Name, und seit Monaten scheinen alle Mädchen die ich kennenlerne diesen Namen zu tragen – mal mit, mal ohne ‘h’ am Ende. Alle ausser J. Aber das ist wieder so eine typische da-ist-was-aber-da-wird-einfach-nichts-draus Sache. Trotz des doch sehr surrealen Anfangs (den ich nie begreifen werde, aber begreifbar ist er auch gar nicht). Doch dann immer mal wieder gibt es Momente wie letzte Woche, wenn sie vor mir steht und lächelt. In Wahrheit will ich gar nicht. Niemand sagte, das Leben würde einfach werden. Aber es hat auch niemand davor gewarnt.
L. sagt, Glasgower seien alle Zyniker. Kann sein. Ich finde es bloß cool, dass er es ist. Zwei Menschen, die die Perversionen des Leben erkannt haben. Zusammen mit D. verbreiten wir gute Laune wir drei. Weil uns egal ist, was andere denken. Dafür ist das Leben zu kurz.
Herr Doktor, verschreiben sie mir doch bitte einfach ein paar Kilo Prozac. Ich mag nicht länger hier liegen.
Manchmal wenn ich über mich nachdenke, I scare the crap out of me. In den anderen Momenten zweifle ich bloß daran, wer ich denn überhaupt bin. Die Spaziergängerin hat mich vor langer Zeit (kommt mir jedenfalls vor wie eine Ewigkeit, vielleicht ist’s noch gar nicht so lange her) mal gefragt, ob schreiben eine Art Therapie wäre. Die Frage wird oft gestellt. Um ehrlich zu sein, ich bin mir der Antwort nicht mehr sicher.
Letztes Jahr kommt mir vor, als sei das ein anderes Leben gewesen. Das erste Mal in all den Monaten in denen ich hier bin fange ich an, mich zuhause zu fühlen. Ich sitze mit Leuten im Café und wundere mich nachher wie spät es bereits ist. Das erste Mal habe ich das Gefühl ich wäre ich. Leute, mit denen ich herumblödeln kann, selbstironisch und zynisch bin. Leute mit denen ich ein ernstes Gespräch führen kann. Meine derzeitigen Mitbewohner können mir gestohlen bleiben. Ein Viertel meines Lebens ist längst um, ich habe keine Zeit mich doch noch mit ihnen anzufreunden.
Über was bloggen andere eigentlich so? In WordPress werden einem als Beispieltags nur Wörter über Tiere angezeigt. Erwähnte ich bereits, dass ich Hunde hasse? Ich glaube das liegt an N.s Hund. Der ist Psychopath. Belangloser geht’s nicht. Ich mag Spinat.
Gleichzeitig leide ich unter Heimweh und Fernweh. Als wäre ich zwar ich, aber ein Teil von mir wäre irgendwo anders in dieser Welt. Das ist nichts wirklich Neues. Aber das Gefühl zu haben während ich anfange diesen Ort mein Zuhause zu nennen ist es.
Es hat lange gedauert, aber es scheint sie auch hier zu geben. Menschen, die Freunde werden könnten. I like spending time with you guys, I don’t wanna spoil it. Sagte mein Glasgower Kumpel vorhin im Café.
Ein letzter Schluck Whisky. Hasta Siempre.

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