Es wird das letzte Jahr sein.

Chiudi gli occhi. Dröhnende Musik. Erdbeben von hier bis nimmermehr und wieder zurück. Mit dem Schnellzug nach Paris. London. Madrid. Rom. Edinburgh. Kopenhagen. Athen. Oslo. In dieser Reihenfolge und niemals anders. Tausende Welten rasen vorbei, wir rasen durch sie hindurch. Hole tief Luft. Setze an. Schuss. Ich baue mir ein Universum.
Dekonstruiere alles und jeden. Nanopartikel. Moleküle. Atome. Elementarteilchen. Und weiter. Immer weiter. Schlag mir diese Leptonen in zwei. Die Quarks in drei. Die Eichbosonen in vier. Das Higgs-Boson in hundert. Hypothetisch hin oder her.
Mit einem VW Bus bis an den Anfang der Welt und nie mehr zurück. Zwischenstopp: Amsterdam. Vor anderthalb Jahren kannte ich noch niemanden in diesem Bus. Jetzt sind es Freunde.
Sie wiederholt die Frage nach dem Sex. Jazzmusik im Hintergrund. Du musst Wasser trinken. Non me lo so spiegare. Ich lebe in einem Hotel, aber ich habe vergessen wieviele Tage ich gebucht habe. Wahrscheinlich wusste ich es nie. Kirschsaft. Gin Tonic. Eis. Gratis Sangria und Essen im Tube. Das Leben ist nicht kostenlos, aber manchmal ist es umsonst. Es wird nicht umsonst sein in meinem Universum. Die Blaupausen bewahre ich in einem Schuhkarton oben im Schrank auf, neben der Kiste mit den Erinnerungen an VHS und MC. (Ich habe noch Super-8 Filme gesehen und den Übergang von VHS zu LD zu DVD zu BD miterlebt! Ich habe den Übergang von MC zu CD zu MP3 zu Vinyl miterlebt!) Ich werde das Marivaux nie vergessen. Es war eine schöne Zeit. Die Menschen pilgern heute zu den Megaplexen, degustieren Popcorn und Chips, schlürfen Cola, und haben sich längst die Erinnerung daran weggeballert was es heißt Kino zu lieben. Ich werde Spillers auf ewig lieben. Die Menschen dort leben Musik. Der älteste Plattenladen der Welt. Mauern, die Geschichten vom 19. Jahrhundert bis heute erzählen. Der Mainstream hat den Übergang zu Vinyl verschlafen.
Und alles rast weiter vorbei. Prag. Stratford-upon-Avon. London. Oberhausen. Dresden. Cardiff. In einem neuen Haus. Eine halbe Stunde weiter weg vom Meer. Obwohl ich doch eigentlich dorthin gehöre. Es wird das letzte Jahr sein bevor ich in den VW Bus steige und alles zurücklasse. In die Natur fliege, näher ans Meer. In mein Universum. Nach Hause.

4 thoughts on “Es wird das letzte Jahr sein.”

  1. (Psst. Tippfeeler um Ufank “Chiudi”, net “Chuidi”. An do sinn ech mer lo net ganz sécher, mee misst et net “spiegarmelo” heeschen. Ka mech net genee erënneren, ob däint geet oder net.)

    Hues de schon emol dem Wong Kar-Wai séng “In the Mood for Love” an “2046” gesinn?

  2. (Argh. Dobäi hat ech e puer mol iwwerlies. -.- Ech mengen béides geet. Google jiddefalls verréit mer grad, dass dat och den Titel vun engem italienesche Lidd ass. D’Italiener werten et jo wëssen…)

    Nee, weder nach.

  3. (Okay. Et gëtt sou eng Ausnam mam “Non”, ech hat zwar geduet, déi wier just am Imperativo, mee bon… mäin Italienesch ass o net am Allerfrëschsten. Merci fir d’Opklärung.)

    Se géifen heizou passen. (Naja, “In the Mood for Love” net sou, mee et ass eben de Prequel zu “2046”. Da muss een deen och kucken.)

  4. (Ech hätt genee sou gudd kennen falsch leien. Mäin Italienesch ass an de leschten dräi Joër och zimlech agerascht.)

    Ech ginn mol kucken op ech se am Blockbuster fannen. :)

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