Alle Zeit der Welt

So wie das Mädchen mit den blauen Haaren saß sie damals neben mir und hörte Musik. In Gedanken waren wir längst in einer anderen Welt. Draußen. Draußen zog die Welt vorbei – eine Industriezone, ein Märchenschloss, der Geburtsort von Roald Dahl. Durch kilometerlangen Wald hinein in die wallisischen Täler.
Chiudi gli occhi. Eine Umarmung tat selten so weh. Ich trug sie, ziellos, orientierungslos. Sie war längst eingeschlafen. Wir hatten alle Zeit der Welt.
Diese Strecke werde ich nie wieder entlang fahren. Nie wieder, das ist eine lange Zeit. Noch länger als ewig. Das erste Mal in meinem Leben nenne ich diesen Ort Zuhause, will nicht weg von hier. Aber die Menschen die diesen Ort zu einem Zuhause machten sind längst nicht mehr da. Vor Monaten, vor Jahren, haben sie diese Stadt verlassen.
Geister sind nachklingende Echos von Erinnerungen, sagte einer von ihnen immer. Ich glaube er hatte Recht. An manchen Tagen in all dieser Zeit sah ich sie. Sie spazierten durch die Menschenmasse in der Fussgängerzone, spiegelten sich im Fenster des Zuges, lachten in einem leeren Raum.
Es wird nie wieder so sein wie früher. Womöglich wird es noch nicht einmal mehr irgendwann gleich gut sein, oder überhaupt gut. Mittelmaß ist alles was man noch erleben kann, wenn man einmal Perfektion gesehen hat.
Ich wusste es schon damals: niemand in dieser Welt ist bereit für Perfektion. Niemand wird es jemals sein. Ich am wenigsten.

2 thoughts on “Alle Zeit der Welt”

  1. :) Daat ass schéin an glaichzaiteg esou traureg an dann awer erem sou schéin, daat en am Fong guer net wees, waat en soen soll. An och wann “liew den Moment, geneiß all fucking Otemzuch” vlaischt “richteg” ass, et kann dem léiten Gefill einfach net gerecht gin. Ze gigantesch ass den dauerenden Zerfall, den den menschleche Gescht weder begraifen, nach je erdroen wärt kennen.

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